Weiterhüpfen an Kaliforniens Küste

Von Morro Bay gehen wir nur einmal kurz um die Ecke. Aber trotzdem begleiten uns bei diesem kleinen Hüpfer Delfine, wenn auch in einiger Entfernung. Der Ankerplatz hinter Point San Luis am Avila Beach liegt zwischen zwei weit ins Meer hinaus gebauten Piers. Eine dritte Pier etwas weiter westlich hinter dem riesigen Mooringfeld ist die einzige, die derzeit betreten werden darf.

Landgang muss aber für uns hier gar nicht sein. Erstens ist nur ein Stop für die Nacht geplant, vor allem aber wird uns direkt am Ankerplatz eine Wal-Show geboten. Einige Buckelwale jagen unweit der östlichen Pier nach Nahrung und versetzen damit auch die örtliche Vogelwelt in Aufruhr.

Der nächste Tagestörn ist dann etwas länger, es soll an der Küste entlang weiter nach Süden und um das Cape Conception herum gehen.

Wie so viele Kaps genießt auch Conception einen eher zweifelhaften Ruf. insofern sind wir nicht böse, dass wenig Wind angesagt ist. Zunächst müssen wir auch tatsächlich motoren und haben bei dem glatten Wasser das Glück, abermals Delfine zu sichten. Wir schalten in den Leerlauf und beobachten, wie sie offenbar einen Fischschwarm zusammentreiben. Es folgt eine Festmal für sie und für die scheinbar aus dem Nichts herbei geeilten Vögel.

Und danach spritzen die Delfine mit Freudensprüngen weiter:

Kurz darauf setzt dann Wind ein, erstaunlicherweise aus Südwest, aber wir können segeln. Ein paar Kreuzschläge sind erforderlich, o.k.

Aber dass wir zwischenzeitlich weit vor dem Kap ins zweite Reff wechseln müssen, lässt dunkle Vorahnungen aufkommen. Unberechtigt, denn kurz nachdem wir die Rakentenabschussrampen der Vandenberg Space Force Base am etwas nördlicher gelegenen Point Arguello erreichen, flaut der Wind so weit ab, dass wir wieder Vollzeug setzen. Übrigens finden auch hier SpaceX-Starts statt, wir hatten ja in Cape Canaveral einen solchen Start beobachtet und nutzen jetzt mit unserem Starlink wahrscheinlich die damals in die Umlaufbahn gebrachten Satelliten.

Als die Ölbohrinseln vor dem Kap näher kommen, nimmt der Wind weiter ab und so ziehen wir an dem weiterhin gerefft parallel segelnden Kanadier flott vorbei.

Am Leuchtturm Point Conception ist der Wind dann ganz eingeschlafen, unter Motor runden wir das Kap. Ziemlich abwechslungsreiche Bedingungen heute.

Der Ankerplatz in der Cojo Bay ist relativ offen, das ruhigere Wetter kommt uns also sehr entgegen.

Licht und Wolken geben dann zum Sonnenuntergang noch einmal alles:

😊

Cape Canaveral

Unser nächster Stop an Floridas Ostküste ist nach rund 115 sm Cape Canaveral. Der Weltraumbahnhof? Genau der. Zumindest der gleiche Ort. Und immerhin wird der Hafen ebenfalls vom Weltraumbahnhof genutzt, wir wir schon bei der Einfahrt sehen können. Denn auch das private “SpaceX” nutzt Cape Canaveral und mehrere Schiffe der Firma liegen im Kanal.

Wir gehen ausnahmsweise in eine Marina, der Port Canaveral Yacht Club hat einen Stegplatz mit den hier ungewöhnlichen Pollern für uns, so wie wir es aus der Ostsee kennen (allerdings gibt es hier bis zu eineinhalb Meter Tidenhub). Super, vor allem weil der Platz für US-Verhältnisse mit etwa 65 € pro Nacht erfreulich “günstig” ist, andere Marinas hier rufen bis zu 3,50 US$ pro Fuß Schiffslänge auf, da kämen wir dann auf rund 170 US$. Theoretisch gibt es zwar auch einen Ankerplatz hinter den drei Hubbrücken und der Schleuse, aber der bietet maximal 2,10 m Wassertiefe und liegt direkt am Intracoastal Waterway. Bei den Wellen der durchfahrenden Sportboote kann es dann schon mal knapp werden.

Am Steg zwei Boote weiter liegt die schweizer San Giulio, Antje und Beat begrüßen uns gleich beim Anlegen. Uns sie bieten an, uns mit ihrem Mietwagen zum Visitors Center des Kennedy Space Centers mitzunehmen. Das passt wunderbar, die Karten für den nächsten Tag hatte Wiebke schon vorher im Internet bestellt.

Der erste Eindruck nach der langen Anfahrt über das riesige Gelände ist irritierend: die verschiedenen Raketen im “Rocket Garden” wirken erstaunlich klein, obwohl sie dort in Originalgröße stehen (z.B. die “Delta” ganz rechts mit dem Haifischkopf, die die GPS-Satelliten ins All gebracht hat, da sind wir als Segler besonders dankbar).

Aber so ist das, die Dimensionen können immens täuschen. Richtig deutlich wird das am “VAB” (Vehicle Asambly Building, in der die Raketen vor dem Start montiert werden), an dem wir in einiger Entfernung vorbeifahren. Wir hatten die riesige Halle mit dem Nasa-Logo und der US-Flagge schon vom Meer aus gesehen. Jetzt, aus der scheinbaren Nähe, wirkt sie wie ein Scheinriese viel kleiner.

Nur: das täuscht! Tatsächlich passt das Empire State Building vom Rauminhalt her mehr als dreimal in die Halle hinein, jeder der Streifen der US-Flagge hat die Breite einer Busspur!

Und auch hinsichtlich der Raketen wird unser Größenempfinden in der weiteren Ausstellung zurecht gerückt, als wir an und unter der Saturn V Mondrakete angekommen sind.

Und auch, als wir unter den Antriebsraketen und dem Treibstofftank des Space Shuttle hindurchgehen und drinnen die Raumfähre in voller Größe und mit geöffneten Ladeklappen ausgestellt finden.

Die Geschichte der menschlichen Raumfahrt einschließlich des Wettlaufs mit den Russen, den amerikanischen Befindlichkeiten zu deren Anfangsvorsprung und der späteren internationalen Zusammenarbeit auf der ISS wird dargestellt.

Schmunzel-Details finden sich …

… ebenso wie eher bestaunenswerte Originale wie das der engen Landekapsel, mit dem die Astronauten wieder auf der Erde (bzw. auf dem Meer) ankamen.

Oder die Original-Einrichtung des Überwachungsraumes, von dem aus der Raketenstart zum Mond kontrolliert wurde.

Als Zuschauer erleben wir hier den simulierten Countdown eines Starts, einschließlich Lärm und Vibrationen. So wie ein Stückchen weiter auch die Simulation des Starts einer Raumfähre, diesmal angeschnallt und mit dreidimensionale Rotation (und Durchschütteln), die das ebenfalls gebotene IMAX-3D-Kino nochmal topen.

Überhaupt Simulation: wir dürfen ins nachgebaute Cockpit eines Space Shuttle und an einem anderen Simulator sogar dessen Landung üben 😎

Auch die dramatischen Abstürze der Space Shuttle “Columbia” und “ Challenger” mit dem Tod aller jeweils sieben Besatzungsmitglieder werden behandelt.

Bisher noch nicht so richtig in der Ausstellung angekommen ist die “Privatisierung” der Raumfahrt, obwohl ja vom Gelände aus auch die SpaceX operiert, dessen Falcon-Raketen und das Raumschiff “Dragon” starten. Seit 2020 gibt es durch SpaceX durchgeführte bemannte Raumflüge zur ISS im Auftrag der NASA und seit September 2021 werden auch Privatpersonen von SpaceX ins All geflogen.

Mit etwas Glück können wir heute Abend einen Raketenstart hier in Cape Canaveral erleben, bei dem 53 Satelliten durch SpaceX in die Umlaufbahn der Erde gebracht werden sollen. Eigentlich schon für gestern geplant, wurde der Start kurzfristig auf heute verschoben.

Karen und Steve von der “Second Chance” aus unserer Carlisle Bay Corona Group aus dem Frühjahr 2020 liegen in der Nachbarmarina. Wir beschließen gemäß ihrem Schiffsnamen zu handeln und vielleicht doch noch den Start live und aus der Nähe zu sehen. Bleiben wir halt noch einen Tag länger hier.

Pura Vida.

Nachtrag: da ist sie 🚀. Hat geklappt. Ein Video (nicht von mir) dieses heutigen Raketenstarts gibts auf YouTube: https://youtu.be/0bd5DjagC4s

Und so ha5 es für uns ausgesehen: