Wir machen den kleinen Hüpfer herüber von Fulaga. Im Nachbar-Atoll Ogea (auch hier wird vor dem g ein n gesprochen, also Ongea) entscheiden wir uns für den den Ankerplatz Ogea Driki North.
Das Atoll von Ogea beinhaltet nämlich gleich drei größere Inseln, wobei die beiden nördlichen durch dazwischen liegende Inselchen und Sandbänke fast ganz verbunden sind und deshalb gemeinsam als Hauptinsel Ogea Levu bezeichnet werden. Eine gute Meile offenes Wasser innerhalb des Atolls trennt Ogea Levu von Ogea Driki.

Der Ankerplatz Ogea Driki North ist mit drei bis vier Metern türkisem Wasser über fast reinem Sandgrund einfach wunderbar.



Als wir ankommen, ist die Flora das dritte Boot, die kurz nach uns einlaufende Lille Venn ist Nummer vier.
Für unser Sevusevu allerdings müssen wir hinüber ins Dorf auf Ogea Levu. So ist das, beim Ankern an einer neuen Insel oder auch nur im Gebiet eines anderen Dorfes der gleichen Insel ist ein Antrittsbesuch beim Dorf-Chief Pflicht. Barbara und Ralph holen uns mit ihrem Dinghy ab und gemeinsam brausen wir hinüber. Es geht allerdings nicht ganz bis zum Dorf, schon einen guten Kilometer vorher ist es bei Ebbe selbst für das Beiboot zu flach.
So kommen wir hier in den Tropen zu einer Wattwanderung. Die breite Gezeitenzone auf Ogea Levu ist tatsächlich ganz überwiegend sandig, manchmal waten wir durch knietiefe Priele. Am Rand finden sich mal Mangroven, mal mit Palmen bewachsene Felsen. Und auf den trocken gefallenen Sandflächen wuseln unzählige Winkerkrabben. Mit der auffälligen Asymmetrie ihrer roten Scheren ziehen sie die Blicke auf sich. Eine „Hand“ der Männchen ist überdimensional groß. Für die Nahrungsaufnahme ist sie nicht geeignet, das „Winken“ mit ihr soll stattdessen Weibchen beeindrucken. Oder auch Revierkonkurrenten, denn die besten Stellen für Höhlen im Wattboden sind heiß umkämpft. Einmal besetzt, nutzt die Winkerkrabbe diese Schere dann auch als gepanzerte Eingangstür.










In einem der ersten Häuser des Dorfes nimmt Ebi uns in Empfang. Sie führt uns erst einmal zur Hütte ihres Bruders, der als Stellvertreter (der Chief ist gerade Fischen) unser Sevusevu durchführt, unsere Kawa-Wurzeln und das Ankergeld von 50 Fiji$ entgegennimmt, die aktuell herrschenden Tabus erklärt und uns formal in die Dorfgemeinschaft aufnimmt.
Ebi begleitet uns auch danach auf dem weiteren Weg ins Dorf, der noch einmal durch das Watt führt, bis es dann im inneren Dorf betonierte Wege gibt. Wir vermuten, dass letztere auch den häufigen Überschwemmungen geschuldet sind, denn das Dorf will die Ankergelder zum Bau eines Schutzwalls zur Lagune hin verwenden. Ein Großteil des Dorfes liegt nur wenig über dem Wasser, der steigende Meeresspiegel ist eine ganz unmittelbare Bedrohung. Einige der Hütten stehen auf kurzen Stelzen, andere sind wie auf kleinen Warften aus Korallengestein errichtet.



Es gibt einen kleinen Laden im Dorf, hier können wir tatsächlich einige Zwiebeln, zwei Liter H-Milch und eine Packung Kekse erstehen, unser erster Einkauf seit über einem Monat (abgesehen von Bananen und Papaya auf Fulaga)!
Die Schule ist am Samstag zwar eigentlich geschlossen, aber ein paar Schüler und der Direktor sind auf dem Gelände. Wir kommen ins Gespräch und uns werden die Klassenräume gezeigt. Wiebke macht anhand unserer Reiseroute auch noch ein bisschen Erdkundeunterricht.












Als wir auf dem Rückweg wieder bei Ebi vorbei kommen, wartet sie schon mit einer Schale voll Obst, dass sie uns verkaufen möchte. Nur zu gerne schlagen wir bei den Papayas und Passionsfrüchten zu.

Und die Wochenendbeschäftigung der Kids auf Ogea? Fische und Krebse fangen. Nicht die kleinen Winkerkrabben natürlich, sondern ordentlich große, essbare. Da braucht‘s dann auch schon ein bisschen Ausstattung:


Als wir nach unserem Ausflug zurück an Flora‘s Ankerplatz bei Ogea Driki kommen, hat sich der deutlich gefüllt. Weil gut drei Meter Süd-Schwell über das Riff schwappen, bevorzugen viele Boote diese geschützte Bucht. Kein Problem, Platz ist genug. Und wer lieber Einsamkeit möchte, muss halt etwas exponierter und mit etwas mehr Schwell an anderer Stelle ankern.


Und was für ein herrlicher Ort ist das, um erst 7 Jahre Langfahrt und dann einen Geburtstag zu feiern 🥂?



