Tonganisches Fest am Ankerplatz #16, Vaka‘eitu

Wir bleiben ein paar Tage am Ankerplatz vor der Insel Vaka‘eitu. Das gar nicht so kleine Eiland hat 10 Einwohner, die alle zu einer Familie gehören. Dorothy, die sich als Schwiegertochter des Familienoberhaupts vorstellt, lädt für Freitagabend zum „Tongan Feast“. Gleichzeitig soll dabei der 2. Geburtstag ihrer Tochter Haye gefeiert werden. „Je mehr Gäste, je besser.“ sagt sie. Die Segler in der Bucht lassen sich nicht lange bitten, über 30 von uns finden sich unter dem imposanten Ovava (Banyan-Baum) am Ufer ein, hier findet die Feier statt. Und natürlich gibt auch Wiedersehen unter Seglern, für uns zum Beispiel mit Mareike von der Moana und ihrer Crew, mit Annette und Jan von der Black Marlin sowie mit Judy und Todd von der Galileo.

Daniel, Dorothy‘s Mann, dreht schon das Spanferkel am langen Holzspieß über dem offenen Feuer.

Auf einer Tafel ist ein großes Buffet mit tonganischen Gerichten aufgebaut. Los geht’s aber erst, nachdem Dorothy eine Begrüßungsrede mit anschließendem Gebet gehalten hat, so ist es Tradition.

Dorothy mit Haye und Sane im Arm, im Hintergrund die Schwägerinnen Rosemary und Anne.

Und natürlich bekommt das Geburtstagskind auch Geschenke (von uns Stifte, Papier und Knetgummi).

Das Prinzessin-Kleid hält Haye selbstverständlich nicht davon ab, mit ihrem älteren Bruder und den Cousins ins Wasser zu laufen und durch den Sand zu krabbeln. Die Insel ist nunmal auch der Spielplatz. Und wenn schon mal Dinghies da sind, werden die als Spielgeräte einfach einbezogen.

Anne und Rosemary bringen nach dem Essen auch noch eine Vorführung tonganischer Tänze dar, auch offenbar vorgebildete Seglerinnen werden einbezogen (Anne gibt auf Wunsch auch tonganische Tanzkurse).

Angeregt durch das tonganische Buffet frage ich Anne am nächsten Tag nach „Pele“. Geschmacklich irgendwo zwischen Spinat und Kohl angesiedelt, werden diese Blätter einer speziellen Hibiskus-Pflanze in der tonganischen Küche sowohl gebraten als auch gekocht verwendet.

Anne hat sie reichlich in ihrem Garten angepflanzt. Verkaufen möchte sie sie nicht, aber auf Bitten der mitgelaufenen Kinder vielleicht gegen ein paar Süßigkeiten eintauschen? Ich hole vom Boot Haribo für die Kleinen. Die deutsche Süßigkeit ist ganz passend, denn der Nachname der Familie lautet Wolfgramm. Der Grabstein von Emil Otto Frederick Wolfgramm war uns schon auf dem Friedhof in Neiafu aufgefallen, er hatte sich im 19. Jahrhundert hier niedergelassen und eine Tonganerin geheiratet.

Und sonst? Wir packen nach langer Zeit mal wieder die Wingfoils aus. Seit Mai bin ich nicht mehr gefahren, ich muss mich erst mal wieder etwas eingewöhnen, aber es macht Riesenspaß. Nicht nur mir. Mit dem Dinghy ziehe ich Emma und Claas auf dem Foilboard. Erst mal im Knien. Und auf dem Strand üben wir das Handling des Wings, nicht ganz einfach bei dem ziemlich böigen Wind.

Außerdem wandern wir über die Insel, paddeln, schnorcheln, und bewundern den Korallengarten bei Ebbe.

“O’zapft is” zum Kaffee und Nemo vor dem Frühstück

Ingo hat am Sonntag Geburtstag und lädt zu 16.00 Uhr auf die Easy One ein. Tja, da müssen wir uns wohl noch Geschenke einfallen lassen.

Während Wiebke aus den Tiefen der Stauräume Schwarzkirschen für eine Schoko-Kirsch-Torte zaubert, übe ich mal wieder Diamantknoten und bastele Softschäkel aus Dynema.

Wiebkes Torte wird super lecker, aber wir müssen uns dafür ein bisschen gedulden. Denn Ingo hat für seinen Geburtstag bereits in Panama ein Fässchen Weißbier gebunkert und dieses Schätzchen wird zum Anstoßen aufgemacht. “O’zapft is”. Hier in Französisch Polynesien wissen wir alle diese Delikatesse um so mehr zu schätzen.

Dazu gibt’s lecker Fingerfood, Ofenkäse und Pizza-Muffins. Der Inhalt des Fässchens erlebt den Sonnenuntergang übrigens nicht mehr. Die Torte kommt dann als Nachtisch.

Und was machen wir am Montag Morgen?

Kaffee im Bett, wie eigentlich immer. Aber schon dabei fällt auf: es ist erstaunlich ruhig. Keine Geschaukel, kein Schwappen der Wellen am Rumpf. Windstille.

Das war zwar nicht vorhergesagt, gibt uns aber die Chance, bei besten Bedingungen im Korallengarten zu schnorcheln.

Der “Jardin Du Corail” liegt zwischen den Motus TauTau und Maharare und ist eine Attraktion, zu dem vom nahen Ressort und mit Tourbooten auch von der Insel Taha’a Touristen herüberkommen. Aber nicht so früh an einem Montagmorgen, wir haben den Korallengarten fast für uns allein. Das Dinghy parken wir am Motu Maharare. Es wird empfohlen, zu Fuß zur Riffseite hinüberzugehen und dann durch den flachen Pass in die Lagune zu driften. Aber noch ist die einlaufende Strömung nicht so stark und so schnorcheln wir zunächst Richtung Riff, hinter dem in der Ferne die Silhouette von Bora Bora schemenhaft zu erkennen ist.

Der Pass zwischen den mit Palmen bestandenen Motus ist so flach, dass wir im Zickzack schwimmen müssen, um nicht gegen die empfindlichen Korallen zu stoßen. Es ist wunderschön.

Verschiedene Riffische schwimmen uns vor die Schnorchelbrille oder verstecken sich zwischen den unterschiedlichen Korallenarten.




Korallentiere können aussehen wie Stein, wie Pilze, wie Äste oder Geweihe und noch so vieles mehr. Aber es gibt noch andere ungewöhnliche Tierarten hier. Blumentiere! So wiegen sich zum Beispiel Seeanemonen in der stärker werdenden Strömung. Sie sind mit ihren giftigen Tentakeln das perfekte Zuhause für Anemonenfische wie eben die Clownfische.
Und da ist er dann auch: NEMO ! Der Trickfilm der diese Fischart bekannt gemacht hat, hat den Clownfischen nicht wirklich gut getan. Als Aquarienfische wurden sie noch populärer, obwohl der Film ja eigentlich das Gegenteil aussagt. Unzählige von ihnen wurden gefangen, obwohl sich ihre Lebenserwartung im Aquarium von 10 auf 5 Jahre halbiert . Uns sind sie lieber hier in der Natur …

… und wir sind um so glücklicher, ihnen hier zu begegnen.

Was für ein herrlicher Montagmorgen!