Seit 13 Tagen am StĂŒck fahren wir (manchmal auch nur ich) jeden Morgen gut eine Stunde mit dem Auto ĂŒber den gut gefĂŒllten âBeltwayâ um Washington herum nach Herrington zu unserer Flora und Abends mit meist etwas mehr Stau wieder zurĂŒck. Auch an den beiden Wochenenden ging es so, weil auch Mechaniker Mike (von Zimmerman Marine) dankenswerterweise beide Wochenenden auf unserem Boot durchgearbeitet hat.
Warum eigentlich? Soooo viel hatten wir doch eigentlich gar nicht auf dem Zettel? Na ja, es summiert sich dann doch, und in den 8 Wochen unserer Abwesenheit ist – auĂer einigen kleineren Arbeiten, den Teilebestellungen und Vorbereitungen nicht allzu viel passiert. Das hat auch sein Gutes, so werden wir zwar nicht vom fertig montierten neuen Solarpanel begrĂŒĂt, können dafĂŒr aber die Details der Montage und der Installation noch gemeinsam festlegen. Mike rĂ€umt bei dieser Gelegenheit noch ein bisschen die bisherige Elektroinstallation der verschiedenen bisherigen NachrĂŒstungen auf und ergĂ€nzt ein ordentliches Sicherungspanel dafĂŒr, damit uns Ăberraschungen wie mit der angeschmorten Solarsicherung kĂŒnftig möglichst erspart bleiben.

Auch die Arbeiten am Motor haben es in sich. Zwar mĂŒssen an unserem Volvo-Penta D2-75 F die Ventile nur minimal neu eingestellt werden und auch die EinspritzdĂŒsen sind in Ordnung. Der auseinander genommene Motor offenbart aber trotzdem einige Ăberraschungen. So öffnet das âwaste gateâ des Turboladers bereits mit dem Original-Volvo-Auspuffknie nicht vollstĂ€ndig, weil dieses ihm minimal zu wenig Platz lĂ€sst. Die Suche in den Foren ergibt, dass das kein Sonderproblem unseres Motors ist, sondern wohl weiter verbreitet:

Leider tritt die gleiche BeeintrÀchtigung auch mit dem neuen Edelstahlteil ein, dass deshalb leicht nachgearbeitet werden muss.
Die Opferanode, die wir im letzten Herbst in den KĂŒhlkreislauf unseres ab Werk ohne Opferanode daher kommenden Motors eingesetzt hatten, hat sich im Laufe dieses Jahres fast vollstĂ€ndig verbraucht. Ein klares Zeichen, dass sie wirkt und sich eben fĂŒr andere Teile âopfertâ. Wir erneuern sie und spendieren ihr dabei ein neues GehĂ€use, in dass jetzt Standard-Stiftananoden passen.

Das kleine Seewasserventil an der Stopfbuchse ist nur schwer erreichbar, setzt sich leicht fest, ist nur aus Messing und auĂerdem etwas âwindigâ befestigt. Wir ersetzen es durch einen massiv befestigten Edelstahlnippel und verlegen das Ventil an einen besser erreichbaren Ort im Motorraum. Zur Erinnerung: ist das Ventil geöffnet, lĂ€uft beim Impellerwechsel ein stetiger Fluss von Seewasser aus der Pumpe.

Der einfache Schaumstoff-Luftfilter unseres Volvos hatte sich ja leider in der Vergangenheit selbst zerlegt und zu diversen unschönen und öligen Schaumstofffetzen im Motorraum gesorgt. Die hatten wir beseitigt und uns einen stabileren auswaschbaren NachrĂŒstfilter besorgt. Beim Zerlegen des Turbos fĂŒr dessen Reinigung fanden sich ĂŒberraschend weitere Teile des Schaumstoffilters – sie hatten den LadeluftkĂŒhler groĂflĂ€chig zugesetzt. Grrr.
Und nicht nur der musste gereinigt werden. Auch der WĂ€rmetauscher des Volvo zeigte Belag an den Endkappen und auch innen.
Wo wir schon bei KĂŒhlung sind: unverstĂ€ndlicherweise hat unser Motor keinen separaten AusgleichsbehĂ€lter fĂŒr die KĂŒhlflĂŒssigkeit. Technisch notwendig ist das zwar nicht, sinnvoll aber schon. Denn so spuckt bei Ăberdruck der Motor die sich ausdehnende FlĂŒssigkeit ĂŒber den serienmĂ€Ăigen Schlauch in die Bilge statt in den AusgleichsbehĂ€lter, aus dem er sich zudem beim AbkĂŒhlen das benötigte MaĂ wieder herauslaufen wĂŒrde. Wir rĂŒsten das Teil nach.

GröĂer ist der Aufwand fĂŒr den Racor-Doppelfilter, der den bisherigen einzelnen Volvo Dieselvorfilter ersetzt. Wegen der zu verlegenden Dieselleitung, vor allem aber wegen des Platzbedarfs. Die Filteranlage rĂŒcken wir mit einem neu konstruierten Edelstahlhalter etwas höher, so lĂ€sst sich auch etwaiges separiertes Wasser besser ablassen. Der bisherige Einzelfilter ersetzt den Vorfilter des Whisper-Generators, so mĂŒssen wir nicht mehr die manchmal schwer zu beschaffenden Whisper-Filter mitfĂŒhren, sondern können uns auf eine gĂ€ngige Filterart beschrĂ€nken.
Unsere bisherigen Ănderungen am Volvo-Penta D2-75 zusammengefasst:
- Regler der Lichtmaschine im Rahmen der UmrĂŒstung auf Lithiumbatterien durch Mastervolt Alpha Pro ersetzt
- Ănderung am Auspuffknie
- Opferanode eingefĂŒgt
- Seewasserventil an der Stopfbuchse ersetzt und verlegt
- Schaum-Luftfilter durch ein langlebigeres Ersatzteil ersetzt
- AusgleichsbehĂ€lter fĂŒr KĂŒhlflĂŒssigkeit ergĂ€nzt
- Diesel-Vorfilter durch Doppel-Racor ersetzt
AuĂerdem platzieren wir die neue Filteranlage so, dass auch die gereinigte (war wegen inneren Ablagerungen und Ă€uĂerer beginnender Korrosion sehr notwendig) Pumpe der Klimaanlagen (die hintere musste zudem getauscht werden) besser zugĂ€nglich ist und dem neue Mamba-Autopilotantrieb nicht in die Quere kommt. Den haben wir endlich eingebaut und mit einem Umschalter versehen. Jetzt können wir bei Ausfall des einen Antriebs auf den anderen umschalten.

Unser Bimini wird gerade erneuert, leider war im ersten Anlauf das Fenster zum GroĂsegel nicht dort eingearbeitet, wo wir es bestellt hatten und die ReiĂverschlĂŒsse fĂŒr die schattenspendenden aber luftdurchlĂ€ssigen Shades fehlten.

Immerhin hat der Segelmacher Bescheid gegeben, dass die Segel nach der Durchsicht und den kleineren Reparaturen abholbereit sind.
Und – last not least – der Rigger hatte schon in unserer Abwesenheit die bestellten verschlissenen Teile an der Rollreffanlage des GroĂsegels getauscht.
Na ja, die anstrengende mehrtĂ€gige Schleifaktion am Unterwasserschiff zur erneuten âAktivierungâ des Coppercoat haben wir ja selbst erledigt. Das Polieren des Rumpfes und des Aufbaus hat derweil eine Truppe der auf dem WerftgelĂ€nde ansĂ€ssigen Spezialfirma gemacht, heute sind sie fertig geworden.


Pura Vida.








