Taha‘a und der Blick nach Bora Bora

Taha‘a ist der Zwilling von Ra‘iātea, die beiden Inseln teilen sich ein gemeinsames Atoll. Wir fahren mit Flora in den Nordwesten von Taha’a und ankern auf dem hellen Sandstreifen innerhalb des Riffs. In Sichtweite, nur 10 Seemeilen weiter nordwestlich liegt dann das kleinere, aber weitaus bekanntere Bora Boramit seinem Hauptort Vaitape.

Gleich 8 schiffbare Pässe gibt es im Ringriff der Doppelinsel Ra‘iātea / Taha‘a, daneben aber auch noch diverse flache Durchfüsse. Einer davon hat es uns besonders angetan, der „Coral Garden“ zwischen den Motus TauTau und Maharare.

Schmal und sehr flach lenkt er der Blick zwischen den Motus hindurch auf das nahe Bora Bora. Wegen der geringen Wassertiefe ist es gut, dass Dinghy vor dem Coral Garden zu ankern und kurz vor Hochwasser an Land zum anderen Ende zu wandern. Mit der noch einlaufenden Strömung können wir uns dann durch den Coral Garden wieder in die Lagune hinein treiben lassen.

Auch Elisa ist so begeistert, dass wir den Schnorchelgang am nächsten Morgen gleich noch einmal machen. Dieses Mal besser ausgerüstet mit GoPro im Split-Level-Dome, mit dem die Aufnahmen entstanden sind, die zugleich Unter- wie Überwasser zeigen.

Und mit der Sony Alpha6000 im Unterwassergehäuse, mit der ich die Nahaufnahmen der Fische mache.

Seeanemonen mit Nemo-Clownfischen darin haben es uns besonders angetan, aber sie sind bei weitem nicht die einzige Attraktion hier. Es gibt unfassbar viele Fische zu bestaunen. Eine kleine Auswahl:

(Für bessere Auflösung bitte auf eines der kleinen Bilder klicken)

Zurück auf der Flora, ganz etwas anderes: der Friseursalon ist mal wieder geöffnet. Und auch Elisa wird gleich eingespannt.

Außerdem bietet der Ankerplatz endlich mal wieder die Gelegenheit zum Wingfoilen. Mit traumhaftem Blick auch hinüber nach Bora Bora.

Den hat dann auch Elisa bei ihrer Sonnenuntergangs-SUP-Tour.

Hier das Video dazu (zum Abspielen auf den Pfeil klicken):

Und morgen wollen wir dann hinüber nach Bora Bora segeln. Drückt uns bitte die Daumen, dass dort eine Mooringboje für uns frei ist.

Weiter geht’s auf Ra’iātea: Perlfarm und Regenwaldfluss

Von unserem Ankerplatz im Südosten der Insel besuchen wir per Dinghy die Ra‘iātea Perlfarm.

Auch unser vierter (Elisas erster) Perlfarmbesuch ist wieder spannend. Wir bekommen einfach nicht genug von den faszinierenden dunklen „Tahiti-Perlen“. Wieder anders präsentiert, wieder Neues gelernt. Und entspannend ist dann der Stop im Restaurant des Opua Beach Hotel auf dem Rückweg zum Boot. Wir lassen es uns gut gehen.

Kontrastprogramm: vom Türkis am Riff im Südosten verholen wir dann ein ganzes Stück nach Norden in die dunkle, tief in die Berge Ra‘iāteas eingeschnittene Baie Faaroa. Das Wasser ist hier bei weitem nicht so klar, aber: das liegt an dem in die Bucht mündenden Fluß Āpo‘omā‘ū. Und diesen immer noch in seinem natürlichen Bett durch das Regenwaldtal mäandernden Wasserlauf wollen wir schließlich befahren.

Mit Flora ist das nicht möglich, sogar für unser Dinghy ist die braun-schlammige Barre an der Mündung nur mit Schwierigkeiten zu passieren. Dann aber schlängelt sich das schmale und manchmal von Baumkronen fast überdachte, jetzt jedoch wieder etwas tiefere Flüsschen malerisch durch das Grün des Waldes.

Neben Palmen säumen vor allem die imposanten Māpė das Wasser, mit ihren Brettwurzeln halten diese „Polynesischen Maronenbäume“ (auch Tahiti-Kastanien genannt) den wenigen Humus fest und wirken manchmal wie eine feste Uferböschung.

Das und einiges mehr bekommen wir im kleinen botanischen Garten erklärt, der uns am Ende unserer Tour den Fluss hinauf erwartet. Darüber hinaus blüht dort eine Vielzahl unterschiedlicher Helikonien / Strelizien in diversen Farben vom schlichten Gelb zur Orange-Pink-grünen Kombination.

Aber eigentlich gilt einmal mehr: der Weg ist das Ziel. Der kleine botanische Garten ist nett, aber die gemächliche Flussfahrt zu ihm und zurück zur Flora ist der eigentliche Kracher.

Nachtfahrt nach Ra‘iātea, Bootsarbeit und Blauwassertraum

Der Plan steht: um vier Uhr nachmittags wollen wir aus der Cooks Bay in Moorea auslaufen. Eine Nachtfahrt hinüber nach Ra‘iātea, etwa 100 Seemeilen. Das sollte eine nach der Vorhersage günstigen Wind und auch gute Wellenbedingungen bedeuten. So hat es Elisa in ihrer eigenständigen Planung herausgearbeitet und es deckt sich mit dem, was Wiebke und ich den Wetterberichten entnommen haben. Fein.

Nur: um zwei Uhr nachmittags schalten wir die Instrumente ein. Keine Anzeige auf Logge (Gechwindigkeitsmesser für die Fahrt durchs Wasser) und ebenfalls keine Anzeige auf dem Lot (Tiefenmesser). Nur Striche. Immerhin, die Windanzeige funktioniert, gibt allerdings nur den scheinbaren Wind an. Auch auf dem Plotter und dem Bordcomputer kommen keine NMEA-Daten vom Airmar-Tridata-Geber an (er misst eigentlich zudem auch die Wassertemperatur). Könnte am Kabel liegen, also irgendwo zwischen Vorschiff und den Anzeigen. Oder der Geber ist der Übeltäter, bloß haben wir den erst vor zwei Jahren in Kanada ausgetauscht, weil die Temperaturanzeige verrückt spielte. Hm, hilft ja nix. Bekommt Elisa gleich einen weiteren Einblick ins praktische Boots(arbeits)leben, es ist natürlich auch nicht der Erste in ihrer Zeit hier an Bord.

Also das vorderste Bodenbrett losschrauben, sonst kommen wir an die NMEA-Verkabelung des Gebers nicht heran. Zum Glück habe ich den alten Geber noch aufbewahrt. Allerdings gut versteckt im Vorschiff unter Elisas Koje. Also wird das gesamte Schiff erstmal ins Chaos gestürzt.

Nachdem der alte Geber herausgekramt ist, schließe ich ihn erst einmal trocken an den NMEA-Backbone an, drehe am Paddelrad und … bekomme eine Geschwindigkeit auf der Anzeige. Tiefe noch nicht, aber der Geber ist ja auch noch nicht im Wasser.

Also den neueren Geber ziehen (dabei kommt ein wenig Wasser in die Bilge) und den alten wieder einbauen. Funktioniert, bis auf die Anzeige der Wassertemperatur, aber die ist entbehrlich. Alles wieder aufräumen. Abfahrt dann immerhin trotzdem um 16.15 Uhr. Puh.

Dafür wird es dann aber wie erhofft eine wunderbare Nachtfahrt. Mit Heranführen von Elisa an die Nachtwachen, mit gutem Segelwind und überwiegend mit Sternenhimmel (ja, wir sehen den Rückgrat-Gecko trotz Vollmond in voller Schönheit).

Und unser neuer Ankerplatz im Südosten von Ra‘iātea sorgt ebenfalls für Begeisterung:

Das Paddelboard wird aufgeblasen. Ausgiebig geschnorchelt, gesprungen, geschwommen. Und relaxt.

Auch Bootsleben. 😎

Moorea und das Rückgrat des polynesischen Nachthimmels

Es ist wieder einmal Zeit für einen Abschied. Morgen wollen wir Moorea verlassen weiter nach Nordwesten segeln. Auf Abschiedstournee durch die Gesellschaftsinseln, immer ein Stückchen weiter unseren nächsten großen Zielen Samoa und Tonga entgegen.

Ganz ohne Zweifel ist Moorea eine echte Perle unter den Südseeinseln, nicht ohne Grund hat es uns gleich mehrfach hierher gezogen. Es ist eine unserer Lieblingsinseln. Die geschützten Buchten, das tolle Schnorcheln, das leuchtende Türkis der Lagunen hinter dem Riff, kontrastiert von dem tiefen Blau des umgebenden Meeres und dem intensiven Grün der zu Hikes einladenden steilen Gebirgshänge mit ihren scharfen Zackenkronen.

Im Te Fare Natura Ökomuseum haben wir gelernt, dass Moorea der Legende nach einem riesigen, mythischen gelben Gecko benannt ist (Mo’o = Echse/Gecko, Re’a, Kurzform von Re‘are‘a = Gelb).

In der polynesischen Mythologie stehen diese Tiere in enger Verbindung mit den Göttern.

Es freut uns sehr, diese Legende so kurz vor unserer Abreise noch entdeckt zu haben, denn auf unserer Weiterreise werden wir Moorea so auf besondere Weise weiterhin vor Augen haben. Wegen seiner spirituellen Bedeutung für die Polynesier haben sie das Tier nämlich auch ganz prominent als Sternbild im Nachthimmel verewigt. Ein riesiger Gecko überspannt praktisch das gesamte nächtliche Firmament:

Es lohnt sich, dieses polynesische Sternbild einmal genauer anzuschauen, auch um die Ausdehnung zu ermessen. Der Schwanz des Geckos wird vom großen Wagen gebildet und weist dementsprechend zum Polarstern im Norden (rote Linie). Weitergeht es über Arktur (im Bärenhüter) und Spica (in der Jungfrau). Der Kopf des Geckos (das westliche Sternbild Rabe) dagegen richtet sich zum Kreuz des Südens (grüne Linie). Der polynesische Name des Sternbildes lautet Ka Iwikuamoʻo (Rückgrat).

Das zweite Sternbild auf dieser Darstellung (unten rechts) ist ebenfalls ein Bedeutendes. Mānaiakalani, „die Angelschnur des Chefs“ oder auch der „Angelhaken“ entspricht im Wesentlichen unserem Sternbild Skorpion. In der polynesischen Mythologie verbindet es sich mit unserem Sommerdreieck aus Deneb (im Schwan), Vega (Leier) und Altair (Adler) zum Fishhook of Maui, mit dem der mythische Halbgott Maui ganz Inseln aus dem Meer gezogen hat, wie etwa die Neuseeländische Nordinsel. Die Disney Studios haben diese Geschichte im erfolgreichen Animationsfilm „Moana“ verarbeitet, allerdings ziemlich frei interpretiert.

(das Foto haben wir in der Ausstellung über polynesische Navigation im Imiloa Astronomy Center in Hilo, Hawai‘i gemacht)

Beide Sternbilder wurden von den Polynesiern zur nächtlichen Navigation verwendet.

Die wunderschöne Darstellung der polynesischen Sternbilder mit Gecko und Angelhaken findet sich übrigens in der kostenlosen App „Stellarium Mobile“. Gegenüber anderen Sternenhimmel-Apps bietet sie den Vorteil, zwischenverschiedenen „Himmelskulturen“ umschalten zu können. So können wir die uns bekannten „westlichen“ Sternbildern mit den polynesischen (noch unterschieden z.B. in Hawaii und Maorí), den arabischen, chinesischen oder etwa mit den altnordischen und diversen anderen Sternbildern vergleichen.

Wie auch immer, für uns heißt es jetzt:

Tschüss Moorea, wir denken an Dich. Auch beim Blick in den Sternenhimmel.

Moorea-Hikes.

4 Tage, 4 Hikes. Das ist auch für uns ungewöhnlich, aber hier auf Moorea bietet es sich einfach an. Und es ist zudem eine gute Gelegenheit, Elisa verschiedene Seiten dieser auch landseitig wunderschönen Insel zu zeigen.

Wir liegen in der Cooks Bay vor Anker. Im Anschluss an das herrliche Schnorcheln an Moorea’s Ostseite ging ja der erste Hike am Ankunftstag hier auf den Berg am Westufer der Cooks Bay. Jetzt führt unser Weg es am nächsten Tag durch den Ort Pao Pao am Scheitel der Bucht hindurch und über langsam ansteigendes Gelände hinein in die ausgedehnten Ananasfelder zu Füßen der steilen Berge der Insel.

Bevor wir aufbrechen, geht ein heftiger Tropenschauer nieder. Die unbefestigten Wege sind deshalb mit schlammigen Pfützen übersät und die kleineren Bachdurchquerungen auf glitschigen Steinen werden ein bisschen anspruchsvoller. Aber es lohnt sich und neben den Anananas profitierenoffenbar auch die Blumen am Rand der Wege von dem Niederschlag der letzten Zeit. Für die Geräuschkulisse sorgen die Hühner und vor allem Hähne, die auch außerhalb des Ortes überall auf der Insel präsent sind.

(Für bessere Auflösung auf eines der kleinen Bilder klicken)

Für die nächsten beiden Tage haben wir uns gemeinsam mit Mareike von der Moana ein Auto gemietet. Wir machen eine Tour auf der Küstenstraße rund um Moorea. Eigentlich war eine Wanderung am Belvédère de Opunohu vorgesehen, aber als wir dort ankommen, gibt es gerade mal wieder einen tropischen Wolkenbruch. Also verschieben wir das erst einmal und besuchen stattdessen das Ökomuseum Te Fare Natura an der Opunohu Bucht. In mehreren Aquarien und mit Multimedia-Shows wird hier das Ökosystem von Moorea über und unter Wasser erklärt. Und hier erfahren wir auch, dass die schützenden Ankerbuchten im Norden der Insel durch das Abrutschen der Nordflanke der Caldera der vulkanischen Insel entstanden sind.

A propos Schutz: auf der Weiterfahrt um die Insel können wir an der Südwestseite von Moorea sehen, dass unsere Sorge vor hohen Wellen nicht unberechtigt war. Die Brecher auf dem Riff an dieser Seite sind heute ziemlich beeindruckend. Wir sind froh über unsere Entscheidung für die Cooks Bay auf der Nordseite.

Einen Hike gibt es an diesem Tag für uns dann auch noch. Statt des ins Wasser gefallenen Belvédère hiken wir, nachdem der Regen inzwischen aufgehört hat, an Moorea’s Ostseite hinauf zum Āfareaitu Wasserfall. Ein wunderschöner (wenn auch natürlich auch wieder ein bisschen schlammiger) Hike durch den Wald. Er führt wohl über privates Gelände, die 100 XPF (umgerechnet 90 Eurocent) Eintritt ist das aber auf jeden Fall wert, selbst wenn der Wasserfall trotz des Wetters derzeit erstaunlich wenig Wasser führt.

Und auf diesem Hike bekomme ich auch mal wieder ein paar Vögel vor die Linse, neben der ausgewachsen nur etwa amselgroßen Sperbertaube auch Wellenastrild und viele freche Hirtenmaina :

Am Freitag können wir dann den ursprünglich schon für den Vortag geplanten Hike auf den Belvédère doch noch machen. Diesmal bleibt es trocken. Das ist gut, denn es geht ziemlich steil bergauf, bergab und wieder hinauf zum gegenüber dem Einstiegspunkt am Belvédère nochmals höher gelegenen Aussichtspunkt am Col des Trios Pinus. Der liegt Luftlinie gar nicht so weit entfernt vom Āfareaitu Wasserfall auf der anderen Seite des 1.207 m hohen Mont Tohivea.

Am Col des Trios Pinus wandern wir zum Ende eines zu beiden Seiten steil abfallenden Grates. Dort ist zwischen den Bäumen ein Schaukel aufgehängt. Ein wenig Nervenkitzel beim Schwingen über den Abgrund und weite Blicke über die Insel bis hin zur Flora in der Ankerbucht.

Und dann: zurück zur Cooks Bay, mit dem Dinghy zurück zur Flora und mit der Drohne noch mal die Cooks Bay von der Wasserseite aus anschauen.

Immer wieder: was für eine tolle Insel.

Freudensprünge auf Moorea

Der erste Törn mit unserer neuen Crew führt uns von Tahiti hinüber nach Moorea. Es ist ein guter Start, schon in der Hafenausfahrt von Papeete spielt eine große Gruppe Delfine. Noch besser wird es an unserem neuen Ankerplatz in der Baie Nuarei im Osten von Moorea. Wir beobachten gleich mehrere Schulen von Spinner-Delfinen. Manchmal kommen sie ganz nahe an die ankernde Flora und sie scheinen ein kleines Willkommens-Spektakel zu veranstalten. Springen, drehen sich in der Luft, zeigen uns sogar Rückenschwimmen und Mutter-Kind-Schwimmen.

Das bleibt nicht die einzige beeindruckende tierische Begegnung in der Baie Nuarei. Das klare Wasser beschert uns an dem schützenden Außenriff einige der bisher besten Schnorchelgänge in den Gesellschaftsinseln, Elisa wird also von Anfang an verwöhnt. Wir suchen Nemo und tatsächlich tummeln sich diverse Clownfische in den Seeanemonen. Knallbunte Hartwicks Lippfische kommen ganz nah an uns heran. Und sogar gleich drei Seeschildkröten geben sich die Ehre. Völlig unaufgeregt scheinen sie sich im etwas tieferen Wasser auszuruhen. Nur die kleinste kommt zwischendurch zum Atmen an die Oberfläche, die beiden größeren chillen am Grund.

Aber Elisa will ja nicht nur “Urlauben”, sondern auch alles über das echte Leben auf einem Segelboot lernen. Also beziehen wir sie in die Törnplanung mit ein. Warum verlassen wir diese schöne Bucht schon so schnell wieder, verholen die Flora in die Cooks Bay auf der Nordseite von Moorea?

Die Windvorhersage ist nicht der Grund, das sieht für die nächsten Tage eigentlich sehr entspannt aus. Ganz anders allerdings die Wellen.

Wir gehen mit Elisa die verschiedenen Vorhersagen auf Windy.com durch. Weit im Süden schiebt sich ein kräftiges Tiefdrucksystem heran.

Südwestlich von unserem Standort führt das zu Sturm und Wellen bis zu 10 m Höhe. Der Wind wird uns zwar nicht erreichen. Die Wellen eines solchen weit entfernten Systems wandern aber weit über den Ozean und schwächen sich dabei nur langsam ab. Mit zwei bis drei Tagen Verspätung werden deshalb immerhin noch etwa vier Meter hohe Wellen bei uns erwartet. Aus südsüdwestlicher Richtung, wobei noch ein anderer alter Schwell aus Nordost dagegen laufen soll. Das Ganze bei Winden aus Südost, eine blöde Mischung.

Die Cooks Bay im Norden von Moorea bietet bei diesen Bedingungen sehr guten Schutz.

(www.noforeignland.com)

Nicht nur das. Sie ist darüber hinaus auch ein guter Ausgangsort für Wanderungen und Hikes auf Moorea …

… und die Cooks Bay ist einfach auch ein wunderschöner, für die Südsee ikonischer Ankerplatz:

Aberglaube an Bord von Segelbooten

Do or don’t? Als Segler wird man immer wieder dem Aberglauben an Bord begegnen.

Das Beiboot eines französischen Seglerpaares kommt am Ankerplatz auf die Flora zu, die beiden grüßen schon von weitem freundlich. Dann sehen sie unsere Bananenstaude am Achterstag, sie deutet sichtlich erschreckt darauf, das Dinghy dreht ab und braust davon. Schnell weg von uns, diesen Banausen, die offenbar keine Ahnung von den simpelsten Gepflogenheiten der Seefahrt haben.

Den Namen eines Bootes ändern? Auf keinen Fall. Oder wenn überhaupt, dann nur mit spezieller Zeremonie, um Poseidon und die anderen die Götter der See zu besänftigen.

Natürlich darf man unter keinen Umständen das Schiff mit dem linken Fuß zuerst betreten.

Der Start in die Saison oder zu einer Reise: erstmal ein Schluck aus der Flasche über Bord gekippt „für Rasmus“. Und der Start ist selbstverständlich nicht an einem Freitag, erst Recht nicht, wenn der auf einen dreizehnten fällt. In der christlichen Seefahrt außerdem nicht am ersten Montag im April, denn da hat Kain seinen Bruder Abel erschlagen!

Haare oder Nägel dürfen an Bord nicht geschnitten werden, das würde Neptun verärgern, weil es ein Opfer an die Unterweltgöttin Proserpina (die römische Entsprechung der griechischen Persephone) sein könnte.

Die Taschen des Seglers (oder der Seesack) dürfen nicht schwarz sein.

Eine Münze unter den Mast für allzeit gute Fahrt.

Kein Wind: leicht am Mast kratzen, dann setzt die Brise wieder ein. Um ganz sicher zu gehen, muss das eine Jungfrau erledigen. Obwohl: …

… bringen Frauen an Bord Unglück? Die weitaus meisten Fahrtenseglercrews sind Paare und so hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass dies finsterster, längst überkommener Aberglaube und vielmehr das Gegenteil der Fall ist.

Allerdings: auf dem Boot zu pfeifen? Da fühlt sich Windgott Aeolus herausgefordert und schickt Sturm.

Blumen an Bord gehen ebenfalls nicht, nicht mal einige Kräuter im Blumentopf. Blumen erinnern an Beerdigungen.

Und unsere Franzosen? Wären wahrscheinlich noch schneller geflüchtet, wenn wir auf dem Boot das Wort Hase (oder in ihrer Landessprache „Lapin“) benutzt hätten, unter gallischen Seglern quasi die Todsünde schlechthin. Auch ein Pferd zu erwähnen wäre übel. Aber an die Hasen kommen nur Bananen an Bord in ihrer Verwerflichkeit nahe an heran.

Woher kommt eigentlich diese Ablehnung von Bananen?

Einige Gedanken dazu:

In den Tagen der Frachtsegler und auch noch auf Motorfrachtern mit unzureichender Kühlmöglichkeit gehörten Bananen zu den am schnellsten verderblichen Waren. Entsprechend risikoreich mussten die Kapitäne unterwegs sein, selbst bei Schlechtwetter grenzwertig viele Segel stehen lassen, gefährliche aber kurze Routen wählen. Und wenn‘s mal schief ging, schwammen zwischen den Wrackteilen die vermaledeiten Bananen, während Mann und Maus untergegangen waren.

Bananen bieten zudem Verstecke für ungebetene Gäste. Im Großen Schlangen und Giftspinnen, im Kleinen immerhin noch Insekten und andere Ungeziefer.

Außerdem gasen Bananen bei ihrem Reifeprozess viel Ethylen aus. Das tun allerdings zum Beispiel auch Äpfel, Avocados oder Kiwis. Ethylen sorgt dafür, dass in der Nähe gelagertes anderes Obst und Gemüse schneller nachreift und verdirbt.

Und letztlich: der Geruch (und Geschmack) von überreifen Bananen fördert die Symptome der Seekrankheit.

Wir begegnen den drei letztgenannten Erklärungsansätzen, indem wir Bananen (wie auch anderes Obst) vor dem Anbordbringen ausgiebig in Salzwasser baden und anschließend mit Frischwasser abspülen. Bananenstauden lassen wir tatsächlich an den Davits mindestens eine halbe Stunde im Salzwasser baden. Danach hängen wir die Bananenstaude ans Achterstag draußen am Schiffsheck. Das verhindert die vorzeitige Reifung der übrigen Lebensmittel und schont auch die empfindliche Nase.

Einen Nachteil hat es allerdings auch: mit zunehmender Reife werden die Bananen am Heck auch für andere attraktiv. In der Karibik konnten wir schon Fledermäuse beobachten, die sich daran gütlich taten. Hier in Französisch Polynesien sind es Vögel. Genauer: mehrere Rotsteißbülbül.

Die picken allerdings nur an einer schon aufgesprungenen Banane herum.

Also schnell die restlichen verarbeiten (ein Teil auch in den Kühlschrank für die Smoothies morgen). Und die ohnehin aufgesprungene und angepickte dann wieder ans Achterstag, um die hübschen buntspechtgroßen Bülbüls bei ihrem Frühstück zu beobachten:

Wir sind ja zum Glück nicht abergläubisch, oder?

Bisher jedenfalls haben die Bananen an Bord (Bootsname endet auf „A“!) scheinbar keinen Fluch auf die Flora gelegt, nicht einmal auf unser Angelglück.

Dreimal auf Holz geklopft!

Crewzuwachs

Es ist nicht einfach nur Besuch. Für fast zwei Monate wird unsere Patentochter Elisa an Bord sein. Entspannter Urlaub in Französisch Polynesien oder anspruchsvolles Segeln über den Pazifik? Diese Alternativen boten sich, abhängig nur von ihrem Anreisedatum. Elisa hat gerade ihr Jurastudium erfolgreich beendet und jetzt bis zum Beginn des Referendariats Zeit, sie konnte sich also frei entscheiden. Und sie war sich sicher: lieber Passage als Strand! Ok, das sind dann etwa 1.200 Seemeilen durch die Gesellschaftsinseln und die Cook-Inseln nach Samoa. So ist jedenfalls der Plan bis Mitte Juni.

Und jetzt ist Elisa hier:

Aber erstmal zeigen wir Elisa Papeete. Die Hauptstadt. Oder das Hauptdorf? Jedenfalls entspannt.

Ist aber schon eine ordentliche Strecke von etwa 3 Seemeilen (einfach) mit dem Dinghy. Wir cruisen auch von unserem Ankerplatz am Flughafen mit dem Dinghy zum Einkaufen in die Taina-Marina, das sind ebenfalls über 2 Seemeilen. Elisa hat Spaß daran.

Ansonsten lassen wir Elisa erst einmal in Ruhe ankommen und ein bisschen auch in das Langfahrt-Leben hinein schnuppern. Treffen uns nochmal mit der Theresa und Joe auf der Freefall, haben Barbie und Wayne von der Hope zum Sundowner bei uns an Bord.

Das Wetter hat sich nach den hier auf Tahiti extrem regenreichen letzten Wochen (von denen wir ja nur die letzten paar Tage mitbekommen haben) auch wieder gefangen.

Und der Blick richtet sich nach vorn. Erst einmal noch ein bisschen die Gesellschaftsinseln erkunden, dann weiter nach Westen. Die Cook-Inseln, dann Samoa, wo Elisa Mitte Juni aussteigen will. Kann auch eine andere Route werden, Flüge sind noch nicht gebucht. Für uns soll es dann jedenfalls nach Tonga gehen und zum Jahresende nach Neuseeland.

Aber erstmal Moorea!

Blick vom Ankerplatz hinüber nach Moorea

Schon wieder Abschied: von unseren Freunden und von den Tuamotus

Seit über drei Jahren segeln wir jetzt schon im Pazifik, im März 2022 hat Flora den Panamakanal passiert. Danach ging es über Galapagos und Hawai’i zum bisher nördlichsten Punkt unserer Reise, nach Alaska. Und jetzt sind wir schon seit einem guten Jahr in Französisch Polynesien, im März 2024 kamen wir auf dem Gambier-Archipel und damit der bisher südlichsten von uns bereisten Region an.

Und jetzt? Ein wenig bleiben wir noch in Französisch Polynesien, aber nach einem knappen halben Jahr in den flachen Atollen der Tuamotus heißt es, von einer weiteren Inselgruppe Abschied zu nehmen. Es ist schön, dass wir unseren Freunden Karen und Steve vorher noch ein paar Highlights der Tuamotus zeigen können.

Von Fakarava aus geht’s zunächst hoch nach Toau.

Herrliches sportliches Segeln und dann ebenso wunderbares Schnorcheln im Coral Garden.

Ein Hike zum Außenriff mit seinen Tide-Pools, in denen wir bei Ebbe herumwaten, Seesterne, Krebse und Fische beobachten, darunter gleich mehrere Muränen.

Das Wetter spielt mit, auch zurück nach Fakarava und durch die Lagune hinunter zum Südpass können wir segeln. Ein Tauchgang an der Wall of Sharks für Steve und mich, …

… Driftschnorcheln für Karen und Wiebke. Und am nächsten Tag noch zwei weitere Schnorchelgänge im Südpass für uns vier, einmal auf der West-, einmal auf der Ostseite. Beide haben ganz unterschiedliche Reize und beide sind einfach fantastisch.

Ganz nebenbei darf Elektriker Steve bei uns an Bord natürlich auch arbeiten, er hatte mehrfach danach gefragt.

Erfolgreich kümmern wir uns gemeinsam um ein Problem mit unserem EmpirBus-System (natürlich im schwer zugänglichen Knotenpunkt unter unserer Spüle) und um den Austausch der Kondensatoren unseres Generators, der zuvor die Spannung nicht mehr konstant halten wollte.

Zurück im Hauptort Rotoava treffen wir bei einem unserer Spaziergänge auch Jakob wieder, der uns gleich erkennt. Bereitwillig zeigt er auch Karen und Steve noch einmal den Prozess der Kopra-Herstellung und er lässt es sich auch nicht nehmen, uns wieder mit frischen Trinknüssen zu versorgen.

Überhaupt, Rotoava mit seinen freundlichen Bewohnern und den herrlichen Blicken auf die Lagune macht uns den Abschied nicht leicht.

Aber es hilft ja nichts. Die kurze Urlaubszeit unserer Freunde ist um, mit dem Dinghy bringen wir Karen und Steve zum Flughafen.

Und wir? Ein kurzes Wetterfenster für die Fahrt nach Papeete tut sich auf, danach soll ein System weit im Süden hohe Wellen und einigen Regen zu uns hinaufschicken. Noch am Nachmittag lichten wir den Anker. Tschüss Tuamotus, es geht westwärts. Tatsächlich können wir nach anfänglichem Motoren durch die erste Nacht fast die gesamte Strecke herrlich segeln, selbst die Squalls verschonen uns weitgehend und bescheren uns nur ein paar schöne Regenbögen.

Erst in der zweiten Nacht, bei der Ansteuerung von Tahiti, verschlechtert sich das Wetter zusehends.

Im Morgengrauen begrüßt uns Papeete dann mit Weltuntergangsstimmung. Kaum am Ankerplatz angekommen will es dann auch gar nicht mehr aufhören zu regnen.

Gutes Timing.

Abgründe und Rettungsflieger

In der letzter Woche ist so viel passiert, dass wir eine ganze Zeit gebraucht haben, um überhaupt darüber berichten zu können. Begonnen hat es wunderbar entspannt.

Mit unseren Freunden Theresa und Joe genießen wir zunächst die Zeit im Atoll Aratika. Wir schnorcheln im Ostpass, wo neben den Haien …

… dieses Mal insbesondere der wirklich als senkrechte Wand in die dunkle Tiefe abfallende Dropoff am äußeren Ende des Passes beeindruckt. Ein irres Gefühl, darüber hinaus bzw. hinein zu schnorcheln. Gerade noch 10 m Wassertiefe und gleich daneben: scheinbar ein unendlicher Abgrund. Der Blick sucht Halt, tastest sich an der steilen Wand hinunter und verliert sich im immer dunkler werdenden Blau.

Im Pass selbst begeistern uns vor allem die Adlerrochen. Zunächst ein einzelnes Exemplar …

… dann mehrmals gleich jeweils vier Geflecke Adlerrochen im Formationsflug:

Diese wunderschönen und eleganten Tiere gehören (anders als die Mantas) zu den Stechrochen und tatsächlich haben sie Giftstachel am Schwanzansatz. Allerdings dienen diese lediglich als Verteidigungswaffe, Menschen gegenüber sind die Adlerrochen eher scheu.

Auch an Land sind wir gemeinsam unterwegs, wandern wir durch eine Palmenallee hinüber zum Außenriff.

Abends verabschieden wir uns von Theresa und Joe, am nächsten Tag brechen wir früh auf. Es scheint die einzige Möglichkeit zu sein, einigermaßen vernünftig durch den (West-)Pass und nach Fakarava zu kommen. Die Strömung in den Pässen von Aratika scheint derzeit zu machen, was sie will. Seit zwei Tagen haben wir kein einlaufendes Wasser erlebt, jederzeit strömt es hinaus. Die Tide nach Vollmond (Springtide) und der Wind haben da wohl den eigentlichen Rhythmus ziemlich durcheinander gebracht.

Wir laufen erst einmal eine Boje am Westass an und ich erkunde mit dem Beiboot die Situation im Pass. Auslaufendes Wasser, recht kräftig. Aber keine stehende Welle, nur kleinere Strudel und stärkeres Kabbelwasser erst draußen außerhalb der engen Riffdurchfahrt. Ok, das können wir probieren. Tatsächlich werden wir beim Hinausfahren kaum durchgeschaukelt und auch nicht vom Kurs abgebracht. Allerdings schießen wir mit bis zu zwölf Knoten Fahrt wie ein Korken aus der Flasche. Puh, aufregend, aber gut.

Ein paar Seemeilen weiter bekommen wir einen WhatsApp-Anruf von Theresa. Sie ist ziemlich aufgelöst, Joe hat aus unbekanntem Grund akute Gesundheitsprobleme.

Wir drehen um und fahren zurück Richtung Pass. Unterwegs bringen wir die WhatsApp-Nummer der Rettungsleitstelle in Tahiti in Erfahrung, Telefonempfang hat Theresa am Ankerplatz nicht.

Die Strömung im Pass hat sich leider kaum verändert. Gegen gut 5 Knoten Gegenstrom kämpft sich die Flora quälend langsam zurück in die Lagune von Aratika. Immer noch sieben Meilen bis zur Freefall. Unterwegs kommt mit Brassfahrt ein Dinghy von hinten auf. Die beiden Franzosen darin rufen uns zu, das eine Krankenschwester an Land sei. Wir erklären, dass der Notfall nicht bei uns an Bord sondern auf dem Katamaran im Osten der Lagune vorliegt und klären, wie wir die Hilfe an Bord bekommen können.

Kurz nachdem wir bei der Freefall ankommen, braust dann ein lokales Boot mit der Krankenschwester heran. Gemeinsam schaffen wir es, Joe auf das Local-Boat zu bekommen. Theresa fährt mit und sie brausen davon.

Etwas später erfahren wir, dass der Rettungsflieger unterwegs ist um Joe nach Tahiti ins Krankenhaus zu bringen. Wir suchen auf der Freefall ein paar Sachen für Joe zusammen und ich bringe sie zum Flughafen, wo wir gemeinsam auf den Rettungsflieger warten. Als er gelandet ist, untersucht die Ärztin Joe in der leeren Wartehalle des Flughafens (hier landet normalerweise nur einmal pro Woche ein Linienflugzeug). Sie entscheidet, dass er flugfähig ist und zur weiteren Untersuchung nach Tahiti ausgeflogen werden soll. Theresa kann allerdings nicht mitfliegen.

Die nächsten Tage sind eine emotionale Achterbahnfahrt. Wir sind froh, dass wir umgekehrt sind und Theresa unterstützen können.

Es ist jedenfalls gut zu wissen, dass das Rettungssystem auch auf kleineren bewohnten Inseln der Tuamotus funktioniert, fast alle haben einen kleinen Flughafen. Und – Lessons Learned – wir nehmen uns vor, die Notfall-WhatsApp -Nummer der jeweiligen regionalen Rettungsleitstelle künftig gleich in unsere Handys zu speichern. Eine aktive lokale SIM-Karte macht (Empfang vorausgesetzt) auch manches leichter. So haben wir gelernt, dass hier in Französisch Polynesien die Rettungsleitstelle per Handy über die Telefonnummer 16 (wie der UKW-Anrufkanal) erreichbar sein soll.

Zwei Tage nach unserem ersten Versuch laufen wir dann wieder durch den Pass aus, wieder mit reichlich Strömung, aber unproblematisch. Wir wären noch länger geblieben, aber unsere Gäste Karen und Steve kommen in Fakarava an, insofern wird es höchste Zeit. Aber immerhin sind die Untersuchungen von Joe jetzt durch und es geht ihm besser, er fliegt zwei Tage später zurück zur Freefall. Wir bleiben in Kontakt und immerhin auch räumlich in der Nähe. Für Freefall und Flora steht ja demnächst der etwas längere Schlag zurück Richtung Papeete an, das werden wir wohl als Buddy-Boote angehen.

Nachdem wir ja im letzten halben Jahr keinen einzigen Fisch mehr gefangen haben (und in den Atollen wegen der Ciguatera-Gefahr nicht angeln oder speeren), ist uns auf der Überfahrt von Aratika nach Fakarava endlich wieder einmal das Angelglück hold. Und wie! Passend zur Crewerweiterung von zwei auf vier ziehen wir nach längerem Kampf einen wirklich großen Mahi Mahi an Bord:

Mit Karen und Steve erkunden wir einmal mehr Fakarava, schaffen auch erstmals eine Fahrradtour über die Insel.

Und, obwohl wir schon so oft hier waren, erleben auch wir dabei neben Bekanntem auch wieder einiges Neues und so von uns noch nicht gesehenes.