Achterbahn der Bedingungen

Bitte um Nachsicht: ein reich mit Blauwassersegeln-Fotos bestückter Reisebericht wird’s leider auch heute wieder nicht, eher eine (bei Regenwetter und aufgebauter Kuchenbude geschriebene) Wasserstandsmeldung.

Die Zeit vor dem Absprung zu einer Ozeanpassage ist immer spannend, selbst wenn es wie jetzt „nur“ um einen mit etwa fünf Tagen veranschlagten Hochseetörn handelt. Zum einen müssen wir den Golfstrom queren und dabei seine starke Gegenströmung ebenso wie „Wind gegen Strom“ soweit möglich vermeiden, zum anderen ist das Wetter derzeit alles andere als beständig. Die Suche nach dem passenden Wetterfenster gestaltet sich auch deshalb aufwändig, weil die verschiedenen Wettermodelle (insbesondere das amerikanische GFS und das europäische ECMWF) für den angedachten Törnzeitraum ziemlich unterschiedliche Prognosen abgeben.

Das Gute zuerst: der tropische Sturm „Eta“ (bis zu diesem siebten Buchtaben im griechischen Alphabet war die Benennung noch nie vorgestoßen und das ist wohl dieses Jahr noch nicht das Ende!) wird sich zwar wohl zum nächsten Hurrikan entwickeln, zieht aber Richtung Nicaragua/Honduras und damit weg von unserer Zielrichtung. Außerdem scheint das Wetter am Dienstag für den Aufbruch und das Queren des Golfstroms ganz gute Bedingungen zu versprechen: der Starkwind zieht ab und wir sollen moderater Nordwestwind bekommen (grün ist für die Windy-Vorhersagen unsere Lieblingsfarbe).

Der Start am Dienstag war denn auch fast schon allgemeiner Konsens der Boote hier, bis gestern für das Ende der Woche im wahrsten Sinne Turbulenzen auftauchten und zwar je nach Modell entweder westlich von Florida oder südlich von Kuba und entweder schon Samstag oder erst Sonntag. Wetterguru Chris Parker widmete dem in seinem Webinar gestern Abend über eine halbe Stunde.

Wir müssen die Entwicklung weiter beobachten, denn wir brauchen vernünftige Bedingungen, um in die Bahamas einzulaufen. Die für uns schlechteste Prognose sieht für Sonntag derzeit an der Riffdurchfahrt nach Marsh Harbour allerdings so aus:

48 Knoten in den Böen, völlig indiskutabel. Selbst geringere Windstärken und viel weiter entfernte Windsysteme können die engen Pässe zwischen dem flachen Wasser westlich der kleinen vorgelagerten Inseln (Cays) und dem sehr tiefen Ocean westlich davon unpassierbar machen. Das Phänomen nennt sich „Abaco Rage“ und bewirkt, dass der Ozeanschwell verlangsamt wird und sich leicht bis zum dreifachen seiner normalen Höhe aufsteilt.

Aber das Wetter bzw. die diesbezüglichen Prognosen sind leider nur ein Teil der Unwägbarkeiten. Die Regierung der Bahamas hat kurzfristig zu heute die Einreisebedingungen ein weiteres Mal verändert. Waren es zuletzt noch 7 Tage zwischen COVID-Test und Einreise, wurde die Frist jetzt auf 5 Tage verkürzt. Das ist für uns bei Abreise von Norfolk so nicht zu schaffen, weil wir ja das Testergebnis abwarten und dann auf der Bahamas-Seite zum Beantragen des Gesundheitsvisums hochladen müssen und dann etwa fünf Tage Segelzeit brauchen. Das Ergebnis unseres COVID-Tests vom Donnerstag ist heute Mittag, drei Tage später, noch nicht da.

Noch eine Komplikation gefällig? Für die Abreise am Dienstag sind wir bereits ausklariert, das hatten ja die Salty Dawg über einen Agenten für uns übernommen, damit wir nicht alle im Taxi nach Norfolk fahren müssen. 🥺

Manchmal laufen die Dinge eben doch anders als gedacht. Die Windbedingungen in Verbindung mit der Springtide zum Vollmond lassen beispielsweise den Übergang zum Schwimmsteg hier in der Marina zum luftigen Sprungbrett werden.

Aber natürlich kommen wir hier trotzdem an Land und auch für die anderen Herausforderungen wird sich eine Lösung finden. Wir arbeiten dran 😊

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