Von Auckland zu den Inseln im Hauraki-Golf: Rangitoto und Waiheke

Raus aus der Großstadt – und doch ganz nah dran. Direkt vor Auckland liegen im Hauraki-Golf mehrere Inseln mit jeweils ganz eigenem Charakter. Den Anfang machen Rangitoto und – fast mit ihr verbunden – Motutapa.

Rangitoto ist unmittelbar als Vulkaninsel zu erkennen. Fast kreisrund und mit einer ziemlich symmetrischen flachen Kegelform, bei einem Durchmesser von 5 km zeigt der namensgebende Rangitoto-Vulkan die höchste Erhebung von 260 m ziemlich genau in der Inselmitte. Er ist der größte der über 50 vormalig aktiven Vulkane des etwa 360 Quadratkilometer messenden Auckland Vulkanfeldes, dessen Zentrum unter der Stadt liegt. Und er ist der Jüngste. Der Rangitoto ist erst vor rund 600 bis 700 Jahren entstanden. In der Sprache der Maorí bedeutet Rangitoto „Blutiger Himmel“. Die Insel ist zwar nur 8 Kilometer vom Downtown Auckland entfernt, trotz dieser unmittelbaren Nähe zu Stadt ist sie aber unbewohnt. Trotzdem gibt es eine Fährverbindung, Tagestouristen können hier Wanderungen zum Krater des schlafenden Vulkans oder auch Kayaktouren am Inselrand machen.

Für uns allerdings fällt der Landgang aus, wir gönnen unserem gerade reparierten Dinghy noch eine Erholungspause.

24 bis 48 Stunden bis zum ersten zaghaften Befüllen der vom Fachmann reparierten Luftkammern, eine Woche bis zur vollen Belastungsfähigkeit. So lange sollen wir uns laut Profi-Auskunft zurückhalten.

Also ankern wir nur in der bestens geschützten und auf Noforeignland gut besprochenen Izzy Bay zwischen Rangitoto und Motutapu.

Am nächsten Morgen segeln wir dann weiter zur Insel Waiheke. Die bietet zwar gleich mehrere Ankerplätze, wir entscheiden uns aber zur weiteren Dinghyschonung noch für drei Nächte in die Waiheke Marina am Kennedy Point zu gehen. Praktisch: wir können direkt in der Marina ein Auto mieten und somit Waiheke zumindest landseitig intensiv erkunden. Vorab verraten: es lohnt sich!

Das etwa 20 Kilometer lange Waiheke Island ist vieles in einem. Die Insel hat sich zu so etwas wie dem Sylt Neuseelands entwickelt. Die Immobilienpreise sind explodiert, Locals haben Schwierigkeiten, bezahlbare Wohnungen zu finden. Insbesondere im Westen der Insel sind unzählige Villen mit Meerblick in die steilen Hänge gebaut worden. Der nur über unbefestigte Straßen erreichbare Osten der Insel ist dagegen in weiten Teilen landwirtschaftlich genutzt oder gleich Landschaftsschutzgebiet.

Bekannt ist Waiheke zudem als Weinanbau-Gebiet mit über 20 Weinbau-Betrieben, viele davon mit Gastronomie. Von den 15 mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants Neuseelands befinden sich zwei auf Waiheke und beide gehören jeweils zu einem Vineyard (Tantalus Estate und Mudbrick Estate).

Uns zieht es zuerst in den Osten.

Schotterstraße, Landschaft pur, Schafe auf den Wiesen, Weinbau, sogar Olivenhaine.

Bei der Man o‘ War – Winery legen wir eine Kaffeepause ein. Die Bucht Man o‘ War (Kriegsschiff) bekam diesen Namen, weil sie von alten Kauri-Bäumen gesäumt war. Deren Holz eignete sich hervorragend zum Bootsbau, weshalb sie hier zunächst zur Überholung der britischen Segelschiffe abgeholzt wurden. Es entstand auch eine Werft, die aber (wie die Kauri-Bäume) nicht mehr vorhanden ist. Heute liegt an der Bucht nur die Winery. Wir können natürlich nicht widerstehen und kaufen ein bisschen Wein. Und wir erfahren, dass die Ruhe in der Bucht auch Tiere anzieht, die man hier vielleicht nicht erwarten würde. Pinguine leben hier, die kleinen Blaupinguine. Die sind allerdings nachtaktiv, wir bekommen sie leider nicht zu Gesicht. Stattdessen gibts aber eine andere tierische Show, wir dürfen eine Schule verspielter Delfine in der Bucht bewundern.

Bei unserem nächsten Ausflug geht es dann in den Westen der Insel. Diesmal führt die Straße durch eng bebaute Ortschaften, wenn wir abbiegen, schlängeln sich Nebenstraßen zu einem der vielen Strände hinunter. Wir sehen dann doch noch Pinguine, im touristischen Hauptort Oneroa findet sich direkt an der Ocean-View-Road eine über lebensgroße Statue dreier Pinguine, die mit Selfie-Stick eine Aufnahme von sich machen. Tja, so gehts auch.

Einen Kilometer weiter lassen unser Auto auf dem riesigen und fast vollständig belegten Parkplatz am Fähranleger. Ganz offenbar arbeitet auch ein Teil der knapp 10.000 Inselbewohner in Auckland und nimmt die gute halbe Stunde Fährzeit in Kauf. Neben dem Fähranleger beginnt aber auch ein Wanderpfad, der Matiatia Walk. Dieser Küstenwanderweg zeigt dann wieder ein ganz anderes Gesicht von Waiheke, auch hier im Westen der Insel. An den Ankerliegern in der Bucht und einem bei Ebbe am Tidal-Grid trockengefallenen Segler vorbei, den Hang hinauf, einmal um die Ecke: wow. Über uns am Hang liegen Anwesen auf großen Grundstücken, aber zwischen ihnen und der zerklüfteten Meeresküste führt ein schmaler Pfad rund um das Matiatia Kap. Traumhaft.

Nach der Wanderung verwöhnen wir uns dann gleich nochmal mit einem ausgezeichneten Essen bei Mudbrick. Blick hinüber zum 20 Kilometer entfernten Auckland.

Waiheke at it‘s best.