Verwirrung der Jahreszeiten

Wir gehen endlich mal wieder baden.

Bei unserer Erkundung der Nordinsel fahren wir zum Herz dieses Landesteils, dem ziemlich genau in der Mitte der Nordinsel gelegenen Lake Taupō. Der größte See Neuseelands wird oft auch als das spirituelle Auge im Land der Maorí bezeichnet.

Tatsächlich ist der über 600 Quadratkilometer große See bei mehreren riesigen Vulkanexplosionen entstanden. Die letzte große Explosion ereignete sich im Jahr 181 unserer Zeitrechnung und soll über 100 Kubikkilometer (sic!) Material ausgeworfen wurde. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf der ganzen Welt, Ablagerungen davon sind selbst im Grönlandeis nachweisbar. Weite Teile Neuseelands wurden dick mit Asche und Bimsstein überzogen.

Aktuell ist dieser Vulkan nicht mehr aktiv, aber Neuseeland liegt auf dem pazifischen Feuerring, der hufeisenförmigen Linie von etwa 1.000 Vulkanen rund um den Pazifik. Konkret schiebt sich bei Neuseeland die Pazifische Platte unter die Indoaustralische Platte. Diese Plattentektonik sorgt für andauernde seismische Aktivität.

Kleinere Erdbeben gibt es viele, gespürt haben wir davon allerdings bisher keines. Fühlbar werden die damit verbundenen unterirdischen Prozesse aber dennoch: Magmablasen heizen tiefliegende Wasserschichten auf und führen zu Thermalquellen. Bei Taupō (auch der nördlich des Sees liegende Ort heißt so) fließt deshalb ein warmes Wasser führender Bach (Otumuheke) in den deutlich kälteren Waikatu River. Eine kostenlose öffentliche Badestelle mit Umkleide und Toiletten ist eingerichtet. Und so setzen wir uns unter den warmen Mini-Wasserfall und genießen diesen positiven Aspekt der potentiell so zerstörerischen Naturkräfte.

Was auffällt: so langsam hält der Herbst Einzug. So schnell geht das mit den Jahreszeiten: gerade noch hatten wir Winter mit Schnee in Hamburg und jetzt ist der Frühling eingekehrt. Wir sind in den Südsommer geflogen, hier aber beginnen sich jetzt die Blätter zu färben und wir pflücken Brombeeren (die hier allerdings eine inzwischen unerwünschte invasive Art sind):

Danach fahren wir am Waikatu River entlang ein Stückchen weiter zu den Huka-Falls. Hier zwängt sich der Waikatu zunächst durch ein enges Felsenbett. Der zuvor so ruhig dahinfließende Waikato entwickelt sich dabei zu einem hellblauen Wirbel von Stromschnellen, bevor er über eine Stufe hinabstürzt und in einem breiteren Bett wieder so ruhig fließt, als wäre nichts gewesen.

Unser nächstes Ziel sind die „Craters of the Moon“. Die Vegetation dort zeigt sich zwar weit weniger karg als der Name des Ortes erwarten lässt, bietet aber doch Besonderes. Mānuka und Kānuka, zwei eng verwandte heimische Baumarten (die auch Teebaum genannt werden), füllen in Miniaturausgabe hier als bodendeckende Büsche die Ebene. Mehr lassen Boden und Bedingungen einfach nicht zu.

Interessanterweise sind die Wasserdampf-Fumarolen hier vergleichsweise neu und durch menschlichen Eingriff entstanden.

Ursprünglich stieß hier ein Geysir mit schöner Regelmäßigkeit heiße Wasserfontänen aus. Ein in 1958 ans Netz gegangenes Geothermie-Kraftwerk senkte dann aber den unterirdischen Wasserspiegel soweit ab, dass der Geysir versiegte. Statt dessen suchte sich das unter Druck stehende Wasser andere Wege und tritt jetzt als Wasserdampf durch viele kleine Spalten aus.

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