Passage nach Hawaii, 7. Tag

Herrliches Ozeansegeln. Rund 15 kn wahr, segeln mit raumem Wind, Groß und Fock. Etwa 2,5 m Welle, blauer Himmel.

Wir sind schon eine Woche unterwegs, haben heute die 1.000 Seemeilen geknackt. Am Morgen wieder viele fliegende Fische und Kalmare an Deck und auch tagsüber sehen wir große Schwärme fliegender Fische, ein paar Mal geschätzte 50 bis 100 Stück, die sich schräg vor unserem Bug über die Wellen heben und zur Seite hin wegsegeln. Wenn eine Welle sie zu erreichen droht schlagen sie mit der Schwanzflosse darauf und scheinen sich damit weiteren Schwung zu holen. Tagsüber landen auch keine auf unserem Deck, aber nachts scheinen sie das Schiff zwar als Bedrohung zu spüren, es selbst aber im Flug nicht sehen zu können.

Was uns bewegt: eine taktische Entscheidung steht an. Wann und wie queren wir am besten die ITZ, also die Innertropische Konvergenzzone. Hätte gar nicht gedacht, dass wir die Erdkunde aus der 8.Klasse, in diesem Fall die „Hadley-Zelle“ so viel brauchen würden ;-).
Grundsätzlich weht auf den Ozeanen in den nördlichen Tropen der Nordostpassat, in den südlichen Tropen der Südostpassat. Das Zusammenströmen (also die Konvergenz) dieser beiden starken Windsysteme verstärkt das durch den hier hohen Sonnenstand ohnehin kräftige Aufsteigen von feuchter Luft. Die ITZ liegt nicht genau um den Äquator herum, sonder jahreszeitlich bedingt derzeit etwas nördlich davon. Sie ist gekennzeichnet von wechselhaften und flauen Winden, vielen Wolken und leider auch Gewittern. Also eine Zone, die man als Segler so schnell wie möglich hinter sich lassen möchte.
Die ITZ muss man sich aber nicht als eine feste Einrichtung vorstellen, eher wie ein waberndes Band, typischerweise ist sie näher am östlich gelegenen Festland (hier also am amerikanischen Kontinent) breiter und wird Richtung Westen eher schmaler.

Für uns gilt es jetzt also, um kleinere Schwachwindgebiete herum einen Weg zu einer (bei Ankunft) möglichst schmalen Stelle der ITZ zu finden, was natürlich auf die Schwierigkeit von ungenauen mittelfristigen Wetterprognosen stößt. Außerdem wäre es für den Winkel im derzeit recht starken Nordostpassat (nach dem Queren der ITZ) besser, wenn wir die Zone so früh, also so östlich wie möglich queren. Je weiter westlich, um so höher müssen wir auf der weiteren Strecke nach Hawaii an den Nordostpassat gehen (also desto mehr bekommen wir den Wind von vorn). Und um es noch ein bisschen komplizierter zu machen wollen wir die kräftigen Strömungen und Eddies idealerweise auch noch mit einbeziehen. Ihr könnt das z.B. auf http://www.windy.com ganz gut sehen.

Also wälzen wir die über Satellit bezogen Grib-Files Wetterdaten von PredictWind und von Wetterwelt in Kiel. Und zum Glück unterstützt uns unsere Shore-Crew in Hamburg (Chief Jan) mit dem für uns schwierigen Blick auf die großräumigere Lage.

Wer unseren Kurs auf Noforeignland verfolgt, sollte jedenfalls über irgendwelche Schlenker nicht irritiert sein.

Sorry an die Nichtsegler, wenn dieser Bericht mal wieder etwas „technisch“ geraten ist, aber das sind halt die Überlegungen, die uns gerade ziemlich beschäftigen.

Etmal letzte 24 Stunden: sehr gute 172 sm, von 12.00 Uhr bis 12.00 Uhr wegen der Zeitumstellung 25 Stunden: 178 sm. Und wo wir schon am korrigieren sind nehmen wir die bisher unterschlagenen 5 sm von der Abfahrt in Santa Cruz bis zum ersten Schiffsmittag auch noch dazu, bisher gesegelt insgesamt somit 1065 sm, noch geschätzte 3.235 sm nach Hawaii.

3 Gedanken zu „Passage nach Hawaii, 7. Tag

  1. Es ist einfach immer herrlich- Deine Berichte zu lesen – denn in der Schule nicht aufgepasst…können wir auf so nette Weise und viel interessanter alles vergessene oder nicht gelernte – nachholen- Danke 🤩
    Weiterhin gute Winde und beneidenswerte Etmale ⛵️

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  2. Auch für mich als Nichtseglerin wie immer sehr interessant … mag allerdings auch daran liegen, dass ich Erdkunde P 4 hatte.

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  3. Zu früh abgeschickt 😉 …
    Danke für den Refresh und weiterhin eine gute und vor allem sichere Fahrt Ihr Lieben 🫶

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