Waya und Vorbereitungen für die Weiterfahrt nach Neuseeland

Von Nacula segeln wir mit einem Stop auf dem schon bei der Hinfahrt besuchten Naviti Island noch weiter südlich die Perlenkette der Yasawas hinunter nach Waya. Wieder einmal beeindruckt uns die Unterschiedlichkeit der Inseln.

Von weitem wirkt Waya kantig, fast abweisend.

Aus der Nähe betrachtet offenbart sich die herbe Schönheit der Insel.

Schroff, fast senkrecht steigen am Ankerplatz die schwarzen Felsen auf, als wollten sie der Insel einen gehörnten Helm aufsetzen.

Von Mareike und ihrer Crew werden wir gleich bei unserer Ankunft begrüßt, einmal mehr haben wir einen schönen gemeinsamen Abend auf der Moana.

Als wir am nächsten Morgen weiterfahren, ziehen sich niedrige Wolken weit die Hänge herunter. Man könnte fast glauben, wir seien in Schottland.

Aber kaum sind wir aus der Bucht heraus, reißt der Himmel ein bisschen auf. Erste Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Wolkendecke, beleuchten die Palmen hinter dem Sandstrand. Doch nicht Schottland!

Fast vierzig Seemeilen sind es bis zu unserem Tagesziel, aber mit Segeln wird es leider nichts. Wir motoren die ganze Strecke bis nach Denarau. Warum tun wir uns das an, wir hätten doch auch gemütlich in Waya bleiben können? Ja, schon. Aber: es gibt ein Wetterfenster für die Passage nach Neuseeland. Und zum Ausklarieren müssen wir eben nach Denarau, dort haben wir (wie gefordert) mit zwei Tagen Vorlauf für Montag einen Termin mit den Behörden vereinbart. Außerdem können wir in Denarau noch Frischwaren für die Passage einkaufen und – ganz wichtig – den Dieseltank der Flora wieder auffüllen.

Über Funk melden wir uns bei der Bootstankstelle. Ein Boot wird gerade betankt, wir sollen in 15 Minuten kommen. Das passt perfekt. Eigentlich. Allerdings entpuppen sich die 15 Minuten als … „Fiji Time“. Eine weitere Yacht drängelt sich dazwischen, nicht so wild. Die andere Seite des Tanksteges wird von kleineren lokalen Booten so genutzt, dass immer mindestens eines die Hälfte des Platzes nutzt und damit den Tankplatz blockiert, na gut, wohl ein Vorrecht der Locals. Dann ist irgend etwas mit der Zapfanlage, auf einmal geht nichts mehr. Kommunikation? Nö.

Geschlagene zwei Stunden driften wir im Hafenbecken vor der kleinen Tankstelle herum.

Dann geschieht ein kleines Wunder: wir kommen doch noch dran. Und das Warten hat sich auch gelohnt. Floras 400 Liter Dieseltank ist wieder komplett gefüllt, wir müssen uns nicht mehr vor möglichen Flautenlöchern auf der etwa einwöchigen Passage nach Neuseeland fürchten. Und der Preis an der Zapfsäule ist angesichts der aktuellen Ölpreisentwicklung recht günstig: ein Liter Diesel kostet 3,20 FJD (ca. 1,25 €), Benzin für den Außenbordmotor des Dinghies ist mit 3,10 FJD (ca. 1,20 €) noch etwas billiger.

Morgen früh um 9.00 Uhr haben wir einen Termin zum Ausklarieren. Der umfangreiche Formularkram für Neuseeland ist schon eingereicht. Das Wetterfenster sieht gut aus, was den Wind angeht. Die Wellen werden vermutlich mit bis etwas über 3 m zwischenzeitlich unangenehm hoch sein, aber die Frequenz den Wellen ist mit rund 12 Sekunden immerhin einigermaßen lang. Sowas wird für diese Passage schon als recht gutes Wetterfenster verkauft. Es ist halt kein Wunschkonzert.

Drückt uns also gerne die Daumen.

Schattenseiten: Formularkram und Segel verschwunden

Am 21. August haben wir die Verlängerung unserer Aufenthaltserlaubnis für Fiji beantragt. Bei Einreise wurden vier Monate gewährt, eine Verlängerung für weitere zwei Monate ist möglich. Sie muss Online beantragt werden. Sollte eigentlich kein Problem sein. Am Ankerplatz in Kandavu starten wir den Prozess.

Das Formular auf https://immihub.immigration.gov.fj/FIDPortal/welcome stellt die erwartbaren Fragen (Person, Passnummer etc), weist aber auch einige Kinken auf. Die zwingend notwendige Eingabe einer Adresse in Fiji lässt sich noch mit dem Ankunftshafen überbrücken, bei „evidence of financial support: recent bank statement“ wird es schon schwieriger, denn den (deutsche) Kontoauszug zum Nachweis ausreichender Mittel wird erstmal ohne Begründung nicht akzeptiert. Trotz der aus dem Dropdown-Menu einzig passenden Angabe „self sponsored“ wird außerdem die „company registration“ als PDF angefordert. Gibt es natürlich nicht, aber ohne das Anhängen irgendeiner PDF geht es hier im Formular nicht weiter. Gleiches gilt für das zwingende Anhängen eines PDF des Rückflugtickets nach Deutschland, wir überbrücken dies mit dem Anhängen der Bootspapiere. Ein aktuelles Foto in Passfotogröße, nicht älter als drei Monate. Auf Kadavu können wir nur gegenseitig Fotos machen und sie auf Passfotoformat zuschneiden.

Immerhin schaffen wir es nach ein paar Stunden, für jeden von uns so ein Formular ausgefüllt abzuschicken und die jeweils 93$ Gebühr zu bezahlen. Die Rückfragen beschäftigen uns dann allerdings bis heute. Bankauskunft neu und mit persönlicher Anmerkung: o.k.

Dann die Forderung nach einer zertifizierten (beglaubigten) Passkopie. Wir schreiben zurück, dass wir auf einer abgelegenen Insel im Kadavu-Archipel sind, hier gibt es keinen Notar. Da ein PDF angehängt werden muss, um die Antwort absenden zu können, fügen wir ein Foto von uns mit den geöffneten Pässen in der Hand bei. Netter Versuch, immerhin wird als Antwort die Frist für die elektronische Abgabe der Beglaubigung von einem auf vier Tage verlängert. Danach müsste ein neuer Antrag gestellt werden (mit neuer Gebühr).

Wir segeln von Kadavu 100 Seemeilen hinüber zu Fijis Hauptinsel Viti Levu und ankern vor dem Touristenort Denarau. Im dortigen Büro von Customs und Immigration werden wir mit unseren Pässen vorstellig. Wenn online die Freigabe erfolgt wäre, würden die Behörden hier auch ein neues Datum in unseren Pass stempeln, aber unseren Pass beglaubigen können sie angeblich nicht. Immerhin macht der Zollbeamte Kopien unserer Pässe und nimmt sie mit zu seinem anderen Arbeitsplatz am Flughafen. Dort in der Nähe ist auch ein Anwaltsbüro, das die Beglaubigungen macht. Unsere Pässe braucht er dafür nicht mitnehmen. Am nächsten Tag können wir die beglaubigten Kopien im Zollbüro abholen (40$). Wir fotografieren die Beglaubigung, wandeln sie in PDF um, laden sie online hoch.

Einen Tag später kommt die Antwort, dass bitte jetzt auch die aktuellen Fotos im Passfotoformat beglaubigt einzureichen wären. Das Onlineformular sieht hierfür zwar die Notwendigkeit der Beglaubigung nicht vor, aber so kommen wir ja nicht weiter. Immerhin, diesmal wird uns ergänzend erläutert, dass auf abgelegenen Inseln hilfsweise z.B. die Krankenschwester oder der Lehrer die Zertifizierung vornehmen dürfte. Na toll, diese Info kommt ein bisschen spät.

Wir nehmen ein Taxi zum Flughafen, finden ein Anwaltsbüro und lassen uns die Ausdrucke unserer Fotos abstempeln. Zurück an Bord, in PDF umwandeln, einreichen. Aber jetzt ist Wochenende, bisher haben wir noch keine Antwort.

Fiji-Time: Abwarten.

In Denarau wollen wir auch unsere reparierte Fock abholen, die wir im Mai über den Agenten YachtHelp von Savusavu zum Segelmacher Marshall-Sails gesandt hatten. Nach der Reparatur hatte Marshall-Sails es an YachtHelp Denarau gegeben. Die sollten es zurück zu ihren Kollegen senden, aber wie wir im August in Savusavu feststellen mussten, hat das nicht geklappt. Dann holen wir es eben selbst in Denarau ab. Nur: da ist es auch nicht, man teilt uns mit es sei bei YachtHelp in der Vuda-Marina, immerhin auch hier auf Viti Levu, gar nicht so weit entfernt. Wir mieten ein Auto, um es abzuholen und bei der Gelegenheit noch Einkäufe zu erledigen.

YachtHelp Vuda bestätigt, dass sie das Segel haben müssten. Nur: sie finden es nicht. Sie sind unlängst auf dem Marinagelände umgezogen, vielleicht sei deshalb das Segel „misplaced“. Wir warten im Restaurant, wir machen unsere Einkäufe. Das Segel hat sich noch nicht angefunden. Man suche verzweifelt, sehe inzwischen auch die Aufnahmen der Sicherheitskameras durch, werde sich melden. Inzwischen sind drei Tage vergangen, das Segel ist noch nicht gefunden, die Suche geht weiter.

Frust. Abwarten. Aber: am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Auch das ist Segler-Leben unterwegs. Nicht immer ist alles eitel Sonnenschein.

Sonnenaufgang am Ankerplatz in Denarau