Motu Puarua (Bird Island), Tikehau

Wir verbringen ruhige Tage in Tikehau. Der Wind hat ein bisschen nachgelassen. Unter 15 Knoten reicht es für mich als Anfänger mit meinem Equipment und meinem Gewicht kaum zum Foilen, es ist also mehr Technik-Training für den richtigen Stand auf dem Board und den richtigen Umgang mit dem Wing, das macht es allerdings nicht weniger anstrengend. Aber das gleichen wir mit langen Pausen, gemütlichen Ausflügen mit dem Kayak und entspannten Besuchen bei und von unseren Nachbarliegern aus.

Außerdem nutzen wir das vergleichsweise glatte Wasser der Lagune für einen Ausflug zum etwa drei Seemeilen entfernten Motu Puarua. Dieses Inselchen liegt nicht wie die meisten Motus auf dem Außenriff, sondern weit innerhalb der Lagune. Zudem wachsen dort nur wenige Palmen, dafür bedecken niedrige, dicht stehende Bäume die aus Korallengestein bestehende Insel. In Verbindung mit der abgelegenen Lage macht das dieses Eiland zu einem Vogelparadies. Vor allem Seeschwalben brüten hier, insbesondere die dunklen Noddy-Seeschwalben und die weißen Feen-Seeschwalben.

Speziell im Uferbereich sind die Bäume voll von ihnen. Besonders die Noddys finden sich gern in großen Gruppen zusammen.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr wir dazu neigen, diesen Vögeln auf Grund ihres Aussehens menschliche Charaktereigenschaften zuzuordnen. Es ist zwar absolut abstrus, aber wir jedenfalls können uns trotzdem kaum davon frei machen, die Noddys mit ihrer Körperhaltung und den “unterlaufenen” Augen eher als verschlagene “finstere Gesellen” zu sehen …

… und die blütenweißen Feen-Seeschwalben mit Knopfäuglein und königsblauem Schnabelansatz eher positiv zu besetzen.

Sagt natürlich nur etwas über uns und unsere Vorurteile aus und nichts über die Seeschwalben selbst. Und die kümmern sich auch überhaupt nicht um uns, schimpfen sogar erstaunlich zaghaft, wenn wir versehentlich zu nahe an ein Gelege kommen. Das passiert leicht, denn die Bäume sind voll von ihnen und die Brut ist manchmal schwer zu erkennen.

Aber das große Teleobjektiv der Kamera schafft es trotzdem, die flauschigen Küken ganz nah erscheinen zu lassen:

Zu den Seeschwalben gesellen sich gelegentlich ein paar der größeren Rotfußtölpel (Red Footed Booby).

Und sogar ein Brachvogel rastet auf dem kargen Korallengestein. Eigentlich bohrt er mit seinem langen, gebogenen Schnabel ja eher in sumpfigen Böden nach Nahrung.

Wir haben auch Schnorchelausrüstung mitgebracht und tatsächlich ist das Wasser hier in Lee der Insel etwas weniger trüb als an unserem Ankerplatz. Viele Korallen im Flachwasserbereich sind in gutem Zustand.

Vor allem aber sehen wir Weihnachtsbaumwürmer (die Spiralröhrenwürmer heißen im englischen wirklich Christmas tree worm) in großer Anzahl und Farbenvielfalt.

Die Würmer bauen Kalkröhren in den Korallen, die sie zeitlebens nicht mehr verlassen. Was wir von ihnen sehen, sind die nach außen gestülpten “tannenbaumförmigen” Kiemen. Bei Annäherung oder auch nur starker Wasserbewegung werden die Kiemen blitzartig nach innen gezogen, in so einer farbenfrohen Kolonie ist das ein ziemliches Spektakel.

Ruhige Tage sind also nicht notwendigerweise erlebnisarm 😎.

Wingfoil-Übungen in Tikehau

10 Tage sind wir schon im Atoll Tikehau und wir werden auch noch etwas länger hier bleiben. Es fühlt sich gut an, zurück in den Tuamotus zu sein. Abgeschiedener, mit freiem Blick über die niedrigen Motus auf dem Ringriff.

Zur Orientierung, das ist unsere bisherige Reiseroute durch Französisch Polynesien im Überblick (Track auf Noforeignland):

Im März haben wir von Mexiko kommend in den Gambier unseren ersten Landfall in Französisch Polynesien gemacht. Seitdem haben wir in der hiesigen Inselwelt über 2.700 Seemeilen zurückgelegt (zum Vergleich: unsere Atlantiküberquerung von den Kapverden in die Karibik war nur 2.200 Seemeilen lang). Von den Gambier aus sind wir Ende April in den Marquesas angekommen, Mitte Juni dann in den Tuamotus. Einen guten Monat später waren wir dann auf Tahiti erstmals in den Gesellschaftsinseln. Jetzt im November ging’s zurück in die Tuamotus, die wir diesen Winter noch näher erkunden wollen. Wir üben uns in Langsamkeit, fühlt sich fast wie Urlaub an.

Das heißt aber keinesfalls, dass es nicht anstrengend wäre. Ganz im Gegenteil, so viel sportliche Aktivität wie auf Tikehau habe ich schon ziemlich lange nicht mehr entfaltet. Die Verhältnisse hier sind derzeit ideal, um Wingfoilen zu trainieren. Der Wind bläst meist mit 15 bis 20 Knoten und die Wellen halten sich an unserem Ankerplatz hinter dem Riff in Grenzen. Ralph von der Lille Venn ist mit unglaublicher Geduld, großem zeitlichen Einsatz und ruhigen, analytischen Korrekturtips eine unschätzbare Hilfe. Fast immer können wir vormittags und nachmittags jeweils mehrstündige Trainingseinheiten machen (zwischendurch bin ich oft so fertig, dass ich einen Mittagsschlaf brauche). Aber ich will! Ingo hatte mir ja diesbezüglich eine Mischung aus Ungeduld und Ehrgeiz attestiert und damit hat er wohl nicht ganz Unrecht. Immerhin, es zeigen sich auch erste Erfolge.

Ralph mit grünem, Ralf mit blauem Wing, Foto courtesy Jill, S/V Gerty.

Einen Nachmittag machen wir “frei”. Mit den Dinghies fahren die Crews (Lille Venn, My Motu, Gerty und Flora) zunächst zum Lunch in ein kleines Ressort auf einem nahen Motu.

Danach geht’s noch ein Stückchen weiter bis in das Örtchen Tikehau in der Südwestecke des Atolls. Baguette beim Bäcker gibt’s leider nicht, das Versorgungsschiff hat diesmal kein Mehl gebracht. Auch das Angebot im kleinen Magasin (maximal 5 Personen gleichzeitig im Laden erlaubt) ist sehr übersichtlich. Immerhin gibt’s Eiscreme, nehmen wir bei den fast durchgängigen 28° natürlich gerne.

Wir bummeln die Dorfstraße herunter, biegen dann ab zur Außenseite des Riffes. Noch weiter bis zum Flughafen und schon geht’s wieder zurück zu den Dinghies im gut geschützten kleinen Hafen an der Lagune.

Am nächsten Mittag verholen wir unsere Boote dann im Konvoi weiter in den Osten des Atolls. Platz gibt es reichlich. So legt sich die Gerty (Jill und Michael sind Kiter) vor eine vergleichsweise kahle Stelle im Riff, wo wenig Bewuchs den Wind verwirbelt. Wir anderen drei Boote dagegen suchen uns ein Plätzchen hinter Palmen. Das ist auch für Wiebke zum Standup-Paddeln angenehmer.

Und schön ist es auch, selbst wenn die Spielzeuge noch auf Floras Laufdeck gestapelt sind.

😉