Bei einem Besuch im Dorf erwähnt Lina, dass sie in dieser Woche Kokosöl machen wird und wir uns das gerne anschauen können. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen.
Eins vorweg: Kokosöl und Palmöl sind zwei verschiedene Dinge. Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der dichten Büschel rötlicher Fruchtstände der Ölpalme hergestellt. Kokosöl dagegen: tja, aus dem weißen Fruchtfleisch der Kokosnüsse.
Seru zeigt uns, welchen Reifegrad der Kokosnüsse sie dazu hier auf Fulaga bevorzugen. Nicht die grünen Trinknüsse, na klar. In den braunen ist weniger Wasser, mehr Fruchtfleisch. Zu unserer Überraschung nimmt Seru aber am liebsten die bereits angekeimten Kokosnüsse, die schon etwa zwei Wochen am Boden gelegen haben. Praktisch kein Kokoswasser mehr, dafür ganz viel Fruchtfleisch und gerne schon etwas schaumartiger „Kokosapfel“ im Inneren. Der wird wird für das Öl zwar gar nicht verwendet, zeigt aber den richtigen Reifegrad an.


Der Schaum kann einzeln gegessen werden. Das feste weiße Fruchtfleisch wird dann aus der Nuss gelöst, zerkleinert und ausgepresst. Jetzt könnte eigentlich mit dem Kochen begonnen werden, aber dann müsste man sehr lange kochen, um das ganze Wasser zu verdampfen. Die Brennstoff sparendere Methode: den offenen Topf ein paar Tage in die Sonne stellen. So trennen sich Wasser und Öl-Rohstoff schon einmal grob. Nach dem Abgießen wird dann nur der Öl-Rohstoff in einem Topf aufs Herdfeuer in der Hütte gesetzt.

Als Brennstoff dienen neben etwas Holz die Kokosnuss-Schalen und die „Barawa“ (die hinter dem Herdfeuer in der Ecke stehenden trockenen Palmblattansätze. Wie eine Fackel brennen sie vom oberen Ansatz und werden nach und nach ins Feuer geschoben.

Jetzt kochen und dabei kontinuierlich rühren. Mit der Zeit wird der Kokosgeruch immer deutlicher. Aber erst wenn die festen Reste des weißen Kokosfruchtfleisches bräunlich werden und zuckerartig kristallisieren ist es soweit. Die süßlich schmeckenden Brösel werden abgesiebt und zurück bleibt das reine Kokosöl.



Insbesondere wenn das Kokosöl zur Pflege von Haut oder Haar verwendet werden soll, werden auch Blüten oder Blätter (z.B. Hibiskus oder Frangipani) beim Kochprozess hinzugefügt.
Lina mag das Kokosöl aber am liebsten pur und findet, dass es dann für die Zubereitung von Speisen auch am universellsten verwendet werden kann.
Wir bekommen gleich eine Kostprobe: Seru bereitet aus Mehl, Wasser und etwas Zucker Teig für „Saparaki“ vor. Diese Pfannkuchen werden dann von Lina in heißem Kokosöl ausgebacken. Anders als klassische Doughnuts werden sie aber nicht mit Eiern (dann wären es in Fiji „Parile“) und auch nicht mit Hefe (sonst „Babakau“) gemacht.



Lecker (auf fijianisch: maleka)!
Aber wir werden noch weiter verwöhnt. Lina hat aus Mehl und heißem Wasser noch einen anderen Teig vorbereitet. Aus den abgekühlten Kugeln rollt sie mit einem Nudelholz auf einer runden Holzplatte Roti-Fladen, der indische Einfluss in Fiji reicht kulinarisch bis auf die Lau-Inseln.


Seru schabt derweil aus (diesmal ungekeimten) Kokosnüssen wiederum das Fruchtfleisch heraus.

Er presst es mit den Händen aus. Die so gewonnene sahnige Kokosmilch wird dann über die von Lina in der heißen Pfanne gebackenen (nicht frittierten) und dann aufgerollten Roti gegossen.

Und natürlich lassen es sich die beiden nicht nehmen, uns nach dem leckeren Essen auch noch eine Flasche von dem frisch gemachten Kokosöl mitzugeben.
Leere Glasflaschen (Weinflaschen mit Schraubverschluss) sind im Dorf übrigens für das Abfüllen des Öls sehr begehrt. Wir haben Lina ein paar mitgebracht, neben kleinen Gastgeschenken wie Tüchern, Sonnenbrillen, Lesebrille, Schnorchelbrille, und Verbandszeug für Linas maladen Daumen.
Lebensmittel anbauen, ernten, verarbeiten, zubereiten. Für die Inselbewohner hier auf Fulaga macht das einen großen Teil ihres Alltags aus.
Was für ein Privileg, dass uns Lina und Seru an diesem Leben so unmittelbar teilhaben lassen.